Die Betriebsveräußerung war keine Option – Nachfolger Benjamin Küsters – Episode #009

Christian Rommel
24. Februar 2020
Betriebsveräußerung - Unternehmer Radio
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Die familieninterne Unternehmensübernahme wird der Betriebsveräußerung meist vorgezogen

Oftmals geht man in einer Unternehmerfamilie davon aus, dass die ältesten Kinder den Betrieb übernehmen werden und es zu keiner Betriebsveräußerung an externe Interessenten kommt. Kinder orientieren sich in vielen Fällen an dem, was die Eltern beruflich machen, gerade wenn diese selbstständig sind. Jedoch trifft diese Entwicklung nicht auf jede Familie zu. 

Unternehmer wollen verständlicherweise keines ihrer Kinder benachteiligen, weshalb ein offener Dialog über die Nachfolger besonders wichtig ist. Hier kommt es regelmäßig vor, dass alle Kinder am Prozess und der Entscheidung für die Nachfolge beteiligt werden. Für viele Unternehmerfamilien ist eine Betriebsveräußerung keine Option, da die Firma weiter bestehen und weiter im Familienbesitz bleiben sollte.

Jedoch ist nicht nur der Dialog zwischen den Eltern und den Kindern wichtig, sondern auch zwischen den zukünftigen Nachfolgern untereinander. Gerade bei Geschwistern mit großen Altersunterschieden kommt es darauf an, die vorherrschenden Rollenverständnisse beiseite zu legen und ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Da es sich hier um die Existenz aller Beteiligten handelt, sollten alle Unklarheiten und Streitpunkte vor Antritt der Nachfolge aus dem Weg geräumt sein. 

Darüber hinaus können auch externe Interessengruppen an der Nachfolgegestaltung mitwirken. In vielen Fällen begutachtet auch die Bank den Nachfolgeprozess und die Kompetenzen, die die Nachfolge mit in das Unternehmen bringen. Wird ein Kind nur aus dem Grund der genetischen Verbindung zum Inhaber Nachfolger und bringt keinerlei Kompetenz mit, so kann die Bank dies als negativ werten und eine zukünftige Zusammenarbeit erschweren. 

Die Übergangsphase

Eine zukünftige Übergabe des Betriebs muss frühzeitig und offen im Unternehmen kommuniziert werden, um eventuelles Konfliktpotenzial vermeiden zu können.

In Familienunternehmen wird die Übergangsphase meist fließend gestaltet, sodass die Kinder langsam ins Unternehmen hinein finden können, während der Senior-Unternehmer weiterhin im Unternehmen tätig ist. Auf diese Art können sich die Mitarbeiter an den zukünftigen Unternehmensnachfolger gewöhnen. So kann dem Problem vorgesorgt werden, dass die Mitarbeiter sich auf professioneller Ebene nicht mit dem neuen Geschäftsführer verstehen und das Vertragsverhältnis kurz nach Übergabe kündigen. 

Mögliche Probleme

Eltern und Kinder sind nicht immer einer Meinung, jedoch sind sich im Falle des Unternehmens beide Seiten einig, dass die Entwicklung des Unternehmens immer im Vordergrund stehen sollte. Zwar haben die Eltern in diesem Falle mehr Erfahrungen, dennoch sollten sie auch immer für neue Vorschläge der Kinder offen sein. 

Als Nachfolger möchte man zwar insgesamt keine Fehler machen, aber dies gehört dazu, um eben daraus lernen zu können. Bei Unsicherheiten kann der neue Geschäftsführer auch das Gespräch mit den eigenen Mitarbeitern suchen, um Lösungen zu finden. Das Einbeziehen von Mitarbeitern kann außerdem ein gutes Zeichen von Vertrauen an die Belegschaft sein. 

Besonders bei familieninternen Nachfolgen ist es nicht immer ganz leicht, dem Sohn oder der Tochter den nötigen Freiraum zu geben, um in die Verantwortung hineinwachsen zu können. Eine mögliche Lösung kann ein abgesteckter Verantwortungsbereich sein, in dem sich der Nachfolger „austoben“ kann, um Erfahrungen zu sammeln.

Wichtig bei der Nachfolge im allgemeinen

Als Unternehmer ist es wichtig, darauf zu achten, nicht unersetzlich für das Unternehmen zu werden. Dies ist wichtig, damit das Unternehmen im Falle des Ausfalls des Geschäftsführers weitergeführt werden kann. Ist das Unternehmen komplett abhängig von dem Inhaber und dieser hat die Prozesse und das Know-how nie dokumentiert, kann dies zu einer ernsthaften Bedrohung für das Bestehen des Unternehmens werden. Auch im Falle einer Betriebsveräußerung wird so sichergestellt, dass das Unternehmen übergabefähig ist. 

Ein Tipp von Unternehmern für Unternehmer und Nachfolger ist, dass man versuchen soll durch die Brille des anderen zu schauen. Man sollte Verständnis für beide Seiten haben, besonders auch gegenüber dem Unternehmer, der das Unternehmen mit Herzblut aufgebaut hat.

Egal ob interner oder externer Nachfolger, es sollte immer versucht werden, viel Vertrauen zum Unternehmer aufzubauen. Vertrauen gilt als Basis, um gemeinsam die Unternehmensnachfolge möglichst erfolgreich zu bewältigen, sodass die Betriebsveräußerung für beide Seiten von Erfolg gekrönt ist. 

Der Nachfolger sollte stets respektvoll in der Kommunikation mit dem Altunternehmer agieren und die Motive des anderen hinterfragen: Warum hat der Unternehmer diese Wertvorstellung? Wie kann man aufeinander zugehen?  

Bei Fragen rund um das Thema kann natürlich immer gerne Kontakt zu Unternehmer-Radio aufgenommen werden.

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