Episode #004: Interview mit DIHK zur aktuellen Unternehmensnachfolge-Situation in Deutschland

Im November 2016 erschien der aktuelle Report zur Unternehmensnachfolge 2016 von der DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag). Dieser Report gibt einen Blick auf die deutschlandweite Gesamtsituation zur Nachfolge im Mittelstand. Neben positiven Tendenzen spitzt sich die Lage in den neuen Bundesländern zu. Wir haben mit Dr. Marc Evers, Referatsleiter Mittelstand, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge bei der DIHK zum neuen Report gesprochen.

Die Highlights aus Episode #004:

1:38 Vorstellung Dr. Marc Evers und DIHK

2:15 Die Zusammenfassung der Ergebnisse: DIHK sieht Lichtblicke in Sachen Nachfrage der Nachfolger, aber auch die Anzahl der Unternehmer, die übergeben möchten.

3:23 Der Mittelstand ist zunehmend für das Thema Unternehmensnachfolge sensibilisiert.

4:00 Die jüngere Generation, auch Generation-Y genannt, geht zunehmend eigene Wege.

4:35 Wenig geändert hat sich, dass die Senior-Unternehmer sich zu spät auf die Nachfolge vorbereiten.

5:40 Das Thema Digitalisierung sollte als große Chance für den Mittelstand und die Unternehmensnachfolge angesehen werden. Firmeninhaber, die sich zu spät mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, werden es schwerer haben, einen passenden Nachfolger zu finden.

7:05 Die größte Herausforderung zwischen Unternehmer und Nachfolger ist der Kaufpreis. Gründe für die höheren Preisvorstellungen der Senior-Unternehmer sind tatsächlich niedrigere Marktpreise, die s.g. Herzblut-Rendite und notwendige Investitionen (auch in Bezug auf Digitalisierung).

10:10 Kleinere Unternehmen werden teilweise sehr mit dem Unternehmer selbst identifiziert. Die Herausforderung liegt darin, sich frühzeitig als Inhaber herauszulösen, damit der Betrieb nicht zum Erliegen kommt, sofern der Senior-Inhaber die Firma verlässt.

11:15 Vierzig Prozent aller Übernahmeinteressenten unterschätzen die Aufgabe als Nachfolger. Denn die Übernahme ist aufgrund vieler komplexer Änderungsprozesse alles andere als die Gründung „im gemachten Nest“.

14:50 Es gibt keine Standardformel für die Nachfolge. Wichtig ist, sich an notwendigen Punkten die passende Beratung einzuholen, um das Unternehmen in einen nachfolgefähigen Zustand zu versetzen.

16:23 Die familieninterne Nachfolge ist meist die gewünschte Form der Nachfolge. Dafür ist es wichtig, auch persönliches „internes Marketing“ zu Hause zu betreiben, damit das Unternehmen zu Hause von den Kindern auch als positiv wahrgenommen werden kann.

18:00 Wenn ein/e Unternehmer/in beispielsweise mit 65 Jahren aufhören möchte, um eine Weltreise oder ähnliches zu unternehmen, dann sollte er/sie bereits mit 55 Jahren anfangen, die familieninterne Nachfolge vorzubereiten und offen zu kommunizieren.

19:20 Die Industriebranche hat den größten Druck, einen Nachfolger zu finden. Das aktuelle Verhältnis ist fünf zu eins, sprich fünf Unternehmen treffen auf einen Übernahmeinteressenten.

22:00 Die Nachfolge ist wie eine Gründung zu betrachten. So kann es auch notwendig oder möglich sein, die Nachfolge im Team anzutreten. Jedoch muss auch bei der alleinigen Gründung ein hohes Maß an Teamfähigkeit vorhanden sein.

23:45 Die Führungskompetenz ist die zentrale Kompetenz, die notwendig ist, wenn ein Betrieb übernommen werden soll.

37:35 Haben Sie Fragen an den Gast oder zur Nachfolge? Nutzen Sie unser Kontaktformular/kontakt/

24:47 Schlusswort und Eindrücke von Prof. Dr. Wassermann.

26:08 Ein wichtiger Tipp von Dr. Marc Evers: Unternehmensnachfolge beginnt schon mit der Existenzgründung. Daher ist es ganz wichtig, einen IHK-Notfallkoffer anzulegen. Wir haben in der Episode #003: Nachfolge Lexikon – Der IHK-Notfallkoffer bereits darüber berichtet.

Die Zusammenfassung der besprochenen Ergebnisse:

  • 9% Zuwachs an Senior-Unternehmer auf Grund der Domgraphie, in neuen Bundesländer sogar 20% Zuwachs
  • die Herausforderung für Unternehmer steigt
  • die Nachfrage der Übernahmeinteressenten steigt erstmalig nach drei Jahren an
  • die Informationsangebote werden vermehrt von Unternehmern wahrgenommen
  • die große Hürde ist der Kaufpreis
  • Wer sein Unternehmen nicht in Bezug auf die Digitalisierung fit macht, wird es schwer haben, einen Nachfolger zu finden.

Dieser Report basiert auf Einschätzungen der IHK Berater aus insgesamt 79 IHKs vor Ort und deren 21.000 Unternehmerkontakten sowie eine statistische Auswertung des IHK-Service zur Unternehmensnachfolge.

Quellen und weiterführende Informationen und Ressourcen: