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Episode #025: Mehr Entscheidungsfreiheit als Unternehmer

Letzte Aktualisierung des Artikels am 11. Mai 2022 von Philipp Degen

In diesem Interview erzählen Vater und Sohn von ihren Erfahrungen und Plänen für eine in Zukunft anstehende familieninterne Nachfolge. Momentan führen Senior und Junior Arenth die Schuchardt Fahrzeugbau GmbH & Co. KG. Zum 100-jährigen Jubiläum des Unternehmens, welches in ca. 8 Jahren stattfindet, möchte sich der Vater vollständig zurückziehen. Die Besonderheit ist, dass er selbst die Firma erst mit Anfang 50 übernahm. Weshalb der Sohn aufgrund von mehr Entscheidungsfreiheit der Siemens AG den Rücken kehrte und wie die allgemeine Aufgabenverteilung aussieht, erfahren Sie in diesem Artikel.

 

Vorlagen-Paket für den Unternehmensverkauf

Vorschaubild von Vorlagen zum Unternehmensverkauf

7 Verkaufsvorlagen:

  1. Due Diligence Checkliste (PDF)
  2. Finance Report (Excel)
  3. Firmen-Exposé (Word)
  4. NDA-Vertrag (Word)
  5. Firmen-Inserat (Word)
  6. Letter of Intent (Word)
  7. Vorgehensplan (PDF)

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Die späte Unternehmensübernahme

Als Herr Arenth das Unternehmen im Alter von 52 Jahren kaufte, wurde ihm wenige Jahre später bewusst, dass dieser Prozess nicht von heute auf morgen zu erledigen ist. Die Nachfolge war jedoch durch das Interesse seines Sohns bereits geregelt. 

An sich hatte der Senior nichts mit dem Unternehmen zu tun und er war vor der Übernahme der Schuchardt Fahrzeugbau GmbH & Co. KG selber viele Jahre bei einem großen Unternehmen im Nutzfahrzeugbereich tätig. Aufgrund des Verlustes seines Bruders wurde er kurzfristig in die Lage des Geschäftsführers des Pharma-Unternehmens seines Bruders versetzt. Nach ca. 1 ½ Jahren erfolgte dann die Suche eines eigenen Unternehmens. Es standen mehrere Unternehmen zur Auswahl, doch aufgrund seiner Vorliebe für Fahrzeuge traf es Schuchardt Fahrzeugbau. 

Die konkrete Übergabe dauerte in etwa ein halbes Jahr. Im April 2011 übernahm er den Betrieb.

 

Wann soll die familieninterne Nachfolge stattfinden? 

Bevor die Nachfolge in ca. 8 Jahren angetreten wird, will das Gespann aus Vater und Sohn noch einiges erledigen. Da das bisherige Grundstück nur gemietet ist, soll zunächst vereint ein neues Grundstück gekauft und eine neue Halle bebaut werden. Wie bereits erwähnt, soll die Firma feierlich an ihrem 100-jährigen Jubiläum an den Sohn übergeben werden.  

8 Jahre ist ein schöner Zeithorizont, da kann man in diesem Zeitraum noch viel bewegen kann. Das Konzept sich einen bestimmten Zeitpunkt wie ein Firmenjubiläum rauszusuchen, sei laut Holger Wassermann sehr beliebt. So könne man die Übergabe mit einer schönen Feier verbinden.

Die Geschichte des Juniors

Nach dem Abitur befand sich der Junior insgesamt 7 ½ Jahre in Ausbildung und Studium bei Siemens. Während der Ausbildung war er bei Übernahme der Schuchardt Fahrzeugbau GmbH & Co. KG des Vaters immer dabei, wenn auch nur außenstehend. Aufgrund der kaufmännischen Ausbildung und des Studiums in internationaler Betriebswirtschaftslehre wurde der Junior für kaufmännische Themen immer wieder vom Senior um Rat geben. Zu dem Zeitpunkt der Entscheidung war dem Junior auch von vorneherein klar, dass er die kaufmännische Abteilung übernimmt, während sich sein Vater um den technischen Bereich kümmern wird. 

Aufgrund seiner vorherigen Ausbildung konnte der Sohn direkt mit in den Betrieb einsteigen, ohne erst eine lange Einarbeitung durchlaufen zu müssen. Außerdem war der Junior seit der Übernahme durch den Vater immer bei Entscheidungen dabei. Deshalb ist er sehr gut informiert gewesen. 

Jedoch nimmt er seit dem Einstieg in das Unternehmen nicht nur die Rolle des Chefs ein, sondern fragt die Mitarbeiter nach deren Meinungen und Erfahrungen. Die Devise heißt, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen, bevor Veränderungen in Angriff genommen werden. 

In Zukunft will sich der Sohn dann vor allem der Digitalisierung widmen, da er in seiner Zeit im Siemens-Konzern gesehen hat, wie gut digitale Finanz- und Dokumentprozesse funktionieren können. Hier soll sich also die Prozesslandschaft angeschaut und deutlich verschlankt werden. 

Laut Holger Wassermann ist der kooperative Ansatz eine gute Strategie, da man sich die Erfahrungen der Mitarbeiter zugute machen kann. Zudem sei es sehr hilfreich, Einblicke in viele Bereiche zu erhalten, damit man den Übergabemoment am Ende nicht mehr so deutlich spüre. Der Nachfolger ist immerhin schon seit einiger Zeit im Unternehmen und auch die Mitarbeiter können sich an seine Anwesenheit gewöhnen. 

Vater Arenth war zwar erst Angestellter und trat spät in Unternehmerposition ein, dennoch behauptet der Junior von sich, dass die Idee, Unternehmer sein zu wollen, vor allem durch seine Ausbildung und das begleitende Studium aufkam. Dort fiel ihm auf, wie groß die Entscheidungsfreiheit als Unternehmer doch sein kann. Während man innerhalb eines Konzerns eher an Regeln gebunden ist. Aber auch das Arbeiten in einem Konzern bringe neben der geringen Stundenwoche, dem guten Gehalt und den Zusatzleistungen auch weitere Vorteile mit sich. 

Wenn sein Vater das Unternehmen nicht gekauft hätte, wäre der Schritt in die Selbstständigkeit wahrscheinlich jedoch erst später erfolgt, aber so erkannte er viele Ansätze, die umsetzbar waren. 

Laut Wassermann sollte man auch schon 8 Jahre vor der Übernahme den Weg zu einem guten Steuerberater auf sich nehmen, denn hier gibt es zahlreiche Gestaltungsspielräume und Möglichkeiten ein böses Erwachen bei der tatsächlichen Übergabe zu vermeiden. So kann beispielsweise die Schenkungssteuer eventuell umgangen werden.

Auch die Bewertung des Unternehmens sei besonders wichtig. Vielleicht kann es Sinn ergeben, schon jetzt einen Teil der Firma an den Nachfolger zu übertragen, um geltende Freibeträge auszunutzen. Das könne man später nicht nachholen und deshalb wäre es sehr ärgerlich, diese Gelegenheit zu verpassen. 

Bei einer familieninternen Übernahme gilt es auch mit einer geplanten Wachstumsoffensive aufzupassen, denn dies erhöht den Wert des Unternehmens deutlich, was wiederum zu einem Steuerproblem führen kann. Bei externen Nachfolgen sei dies anders, da dies den Verkaufspreis letztendlich erhöht. 

Eine Variante könne hier eine Schwesterfirma sein, die gleich dem Nachfolger gehört. Jedoch ist es bei dieser Variante besonders wichtig einen Rechtsanwalt, Steuerberater und Unternehmensberater hinzuzuziehen. 

Als letzten Punkt führt Nachfolgeexperte Holger Wassermann die Übergabetätigkeiten an, die bei Familie Arenth bereits laufen. Dazu zählen die Übergabe von Geschäftswissen und wichtigen Kontakten.