Der Firmenverkauf – 6 Fehler vermeiden beim Firmenverkauf

Viele Unternehmer müssen den Firmenverkauf vollziehen, um die Nachfolge sicherzustellen, weil kein geeigneter Nachfolger in der Familie oder Firma vorhanden ist.

Fehler gibt es auf beiden Seiten bei einem Firmenverkauf, sowohl beim Unternehmer als auch bei den Mitarbeitern. Und eines gleich vorneweg: es soll hier nicht gesagt werden, dass irgendjemand zu dumm ist, Sachverhalte richtig zu verstehen. Der Verkauf einer Firma ist für alle Beteiligten eine große emotionale Belastung, die Ängste und Stress freisetzt. Und wie wir alle wissen, handeln wir dann meist nicht wirklich überlegt. Hinzu kommt, dass die wenigsten Unternehmer oder Mitarbeiter Erfahrungen mit einem Firmenverkauf haben und sie deshalb auch nur schlecht einschätzen können.

Häufige Fehler des Unternehmers sind:

  1. Es darf keiner wissen, dass ich mich um meine Nachfolge/Firmenverkauf kümmere.
  2. Die Verhandlungen über die Nachfolge gehen meine Mitarbeiter nichts an.
  3. Mein Lebenswerk macht den Wert aus.

Häufige Fehler (wobei es sich hier mehr um falsche Glaubenssätze handelt als Fehler) der Mitarbeiter sind:

  1. Wenn der Chef den Firmenverkauf vollzieht, habe ich keine Arbeit mehr.
  2. Wenn der/die Neue kommt, entlässt er/sie uns alle.
  3. Ich bin nicht wichtig und habe keine Verantwortung.

Fehler Nr. 1: “Es darf keiner wissen, dass ich mich um meine(n) Nachfolge/Firmenverkauf kümmere.”

Die Angst des(r) Unternehmers(in) ist groß, dass Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter abspringen, sobald sie erfahren, dass sich der Chef(in) um einen Firmenverkauf bemüht. Und Beobachtungen scheinen das auch zu stützen, immer wieder hört man davon, dass Leute gehen und Kunden wegbleiben. Aber das ist meistens gar nicht das Ergebnis des Bekanntwerdens der Nachfolge, sondern von einer schlechten Kommunikation.

Ich möchte Ihnen gerne eine Sache ans Herz legen: Man sieht Ihnen Ihr Alter an. Wenn Sie schon Ende 60 sind, dann weiß das jeder – jeder Kunde, jeder Lieferant, jeder Mitarbeiter. Und alle fragen sich, wie es wohl mit der Firma weitergehen wird. D.h., es ist nicht nur allen völlig klar, dass Sie sich irgendwann mal um die Nachfolge oder den Unternehmensverkauf kümmern werden. Sie erwarten es von Ihnen sogar! Und je länger Sie damit warten, umso schwieriger kann es werden, diese Gruppen noch davon zu überzeugen, dass es noch klappen wird.

Fehler Nr. 2: “Die Verhandlungen über die Nachfolge/Firmenverkauf gehen meine Mitarbeiter nichts an.”

Es ist Ihre Firma, ganz klar. Und ganz egal, wie Sie diesen Satz auch verstehen mögen – im Sinne von “das geht sie nichts an” oder “das braucht sie nicht zu kümmern, ich sorge schon für alles” – Sie liegen damit falsch.

Warum? Weil Sie sich ins eigene Fleisch schneiden.

Im strategischen Management gibt es ein Werkzeug, das sich ‘Stakeholder Analyse’ nennt. Darin betrachtet man, auf welche anderen Gruppen man selbst großen Einfluss hat und umgekehrt, welche anderen Gruppen großen Einfluss auf einen selbst haben. In unserem Fall heißt das nichts anderes, dass Sie als Unternehmer(in) verstehen müssen, dass die Mitarbeiter eine Interessengruppe sind, die großen Einfluss auf den Erfolg Ihres Vorhabens “Nachfolge/Firmenverkauf” haben. Deshalb ist eine enge Einbindung der Mitarbeiter in erster Linie in Ihrem ureigensten Interesse.

Wenn Sie wissen wollen wie ein Unternehmer mit dieser Situation umgegangen ist und mit Hilfe von Kommunikation seine Firma erfolgreich verkauft hat, dann klicken Sie auf den roten Button und erhalten Zugang zu zahlreichen Unternehmern und deren Geschichte im Zuge ihres ganz persönlichen Firmenverkaufs.

Fehler Nr. 3: “Mein Lebenswerk macht den Wert aus.”

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass mir keine bessere Formulierung eingefallen ist, denn dieser Fehler ist etwas, was ein Unternehmer fast nie ausspricht – wir es aber aus seinem Verhalten eindeutig erkennen können. Hätte ich nämlich geschrieben “Die Mitarbeiter sind nicht wichtig”, dann würde sich jeder sofort empören und andere Argumente vorbringen. Und auch zurecht, nur – warum handeln dann so viele Unternehmer nicht danach?

Dieser Fehler ist besonders verbreitet, denn auch viele Mitarbeiter unterliegen ihm, und das macht die Sache für den Firmenverkauf  besonders kritisch. Denn wie wirkt sich dieser aus?

Unternehmer verkennen häufig, welche Rolle die Mitarbeiter heutzutage im Rahmen der Unternehmensbewertung spielen. Sie hören, dass der Kundenstamm, die Produkte oder auch ein Bestand an Wartungsverträgen einen Wert hat. Das ist vielleicht auch so, allerdings darf man diesen Umstand nicht gesondert betrachten. Für den Käufer entfaltet sich Ihr Wert nämlich erst dadurch, dass er Sie nutzen kann. Und Gewinne aus einem Wartungsvertrag kann ich z.B. nur dann erzielen, wenn ich die Wartungen auch durchführen kann – und dafür brauche ich Mitarbeiter. Und in Zeiten des Fachkräftemangels ist nicht der Kundenstamm der Engpass, sondern das Personal, etliche Firmen müssen heute Aufträge ablehnen, weil ihnen die Leute fehlen.

Ich weiß, es ist für viele Unternehmer schwer zu akzeptieren, aber der Wert Ihrer Firmen besteht ganz wesentlich aus Ihren Mitarbeitern.

Gehen die Mitarbeiter, verliert Ihre Firma an wert.

… und 3 große Irrtümer der Mitarbeiter

Kommen wir jetzt zu den Fehlern (Glaubenssätzen), die sich häufig bei den Mitarbeitern ansiedeln. Diese sind nicht weniger gefährlich für eine erfolgreiche Fortführung des Betriebs, als die Denkfehler der Unternehmer.

Fehler Nr. 4: “Wenn der Chef geht, habe ich keine Arbeit mehr.”

So verständlich wie die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist, so irrational sind die Befürchtungen. Eine sehr weit verbreitete Ansicht ist, dass man seinen Arbeitsvertrag direkt mit dem Chef abgeschlossen hat und dass dieser Vertrag seine Gültigkeit verliert, wenn es zur Nachfolge oder einem Firmenverkauf kommt.

Um es mal ganz deutlich zu sagen – das ist natürlich so nicht korrekt.

Bei Mitarbeitern einer GmbH besteht der Arbeitsvertrag zwischen dem Mitarbeiter und der GmbH (das ist nämlich gem. §13 GmbHG eine juristische Person, die selbst Rechte und Pflichten hat) und nicht dem Chef, auch wenn dieser unterzeichnet hat (nämlich als Vertreter (!) der GmbH). D.h., dass sich an dem Arbeitsvertrag gar nichts ändert, denn die GmbH bleibt in unveränderter Form bestehen.

Und auch bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften (GbR, oHG, KG) endet der Vertrag nicht einfach mit dem Verkauf. Das BGB regelt den Betriebsübergang im §613a. Der neue Inhaber tritt in die Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag ein. Absatz 4 regelt sogar ausdrücklich, dass eine Kündigung wegen des Betriebsübergangs unwirksam ist.

Fehler Nr. 5: “Wenn der/die Neue kommt, entlässt er/sie uns alle.”

Dieser Irrtum hängt sehr eng mit  #4 zusammen und entspringt natürlich auch der Angst um den eigenen Arbeitsplatz und der Ungewissheit, wie es weitergehen wird. Dieser Irrtum hängt aber genauso eng mit #3 des Unternehmers zusammen – der Missachtung des Umstandes, dass wir heute in vielen Branchen einen Fachkräftemangel haben und etliche Unternehmen hauptsächlich deshalb eine andere Firma kaufen, um das Personal zu bekommen. Warum sollte ein Käufer Mitarbeiter entlassen, wenn er gerade einen hohen Kaufpreis bezahlt hat, um sie zu bekommen? Das macht keinen Sinn.

Fehler Nr. 6: “Ich bin nicht wichtig und habe keine Verantwortung.”

Kommen wir zum letzten Fehler, der fast alle anderen Fehler zusammenfasst und zu einer gefährlichen Konsequenz führt.

Mitarbeiter, die sich sorgen, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten (wegen #4 oder #5), schätzen sich wahrscheinlich auch nicht als besonders wichtig für die Firma ein (ähnlich wie der Chef, #3). Denn wüssten Sie um ihren Wert für die Firma, hätten Sie keine Angst um ihren Arbeitsplatz.

Aber was tun solche Mitarbeiter? Sie suchen sich eine andere Stelle und kündigen. (Das war die Sorge vom Chef #1, bloß mit anderer Ursache). Das ist häufig objektiv betrachtet nicht clever, denn sie tauschen häufig einen längeren Kündigungsschutz oder zumindest einen Abfindungsanspruch gegen die Position eines Neuen mit Probezeit aus.

Aber was bedeutet das jetzt für die Nachfolge oder den Firmenverkauf?

Bei nahezu jedem Firmenverkauf verlassen Mitarbeiter das Unternehmen, das hängt u.a. auch von der Branche ab. Der Anteil der Mitarbeiter, welche die Firma verlassen, liegt bei größeren Unternehmen vielleicht zwischen 5% und 15%.

Hören Sie jetzt Unternehmer, bei welchen der Firmenverkauf erfolgreich vollzogen wurde, wie diese die bevorstehenden Herausforderungen gemeistert haben. Einfach die rote Schaltfläche klicken und Sie bekommen Zugang:

Fazit

Für Nachfolgen bei kleinen und mittleren Unternehmen, also mit vielleicht 10 oder 20 Mitarbeitern, kann das Ganze viel drastischere Folgen haben. Denn der Fachkräftemangel bezieht sich meist auf bestimmte Berufsgruppen, und zwar häufig in den produktiven Bereichen. Keine Firma hat aber nur Mitarbeiter, die man zum Kunden schicken und dort abrechnen kann, es gibt fast immer auch ein Büro, einen Innendienst usw. Sind also von den vielleicht 10 Mitarbeitern insgesamt 6 produktiv und kündigen von denen 3, dann sind das auf die gesamte Unternehmung bezogen 30% (was auch schon doppelt so hoch ist wie bei den stark gefährdeten größeren Unternehmen), bezogen auf die für den Käufer eigentlich interessante Personalgruppe der 6 Produktiven sind es aber 50%! Bei 6 produktiven Mitarbeitern hätte der Käufer noch die gesamte Firma gekauft und die anderen ebenfalls übernommen, da sich das Gesamtkonstrukt trägt. Mit aber nur noch 3 produktiven Mitarbeitern rechnet sich das Ganze nicht mehr, und das hat zur Folge, dass nicht nur der Preis sinkt – die Nachfolge bzw. der Firmenverkauf scheitert komplett.

Durch den – völlig unnötigen – Weggang der 3 Mitarbeiter verlieren daher die anderen 7 Kollegen ihren Arbeitsplatz. Und das ist die übelste Konsequenz der Irrtümer rund um das Stichwort Mitarbeiter – der Unternehmer, der nicht erkennt, wie wichtig es ist, dass die Mitarbeiter loyal zum Unternehmen stehen, und die Mitarbeiter, die nicht erkennen, dass sie für sich gegenseitig eine Verantwortung tragen, weil sie als Team den Wert bilden.

In diesem Beitrag wollte ich Sie bewusst auf diese Irrtümer hinweisen und Sie zum Nachdenken anregen. Ich habe Ihnen hier keine allgemein gültigen Ratschläge gegeben, wie Sie mit diesen Problemen umgehen können, denn das wäre wirklich leichter gesagt als getan. Ein Coach kann Ihnen und Ihren Mitarbeitern dabei helfen, die Klippen zu umschiffen. Das kostet natürlich etwas, aber denken Sie daran: Nachfolge kostet Geld, keine Nachfolge kostet das Vermögen. Und ergänzen wir doch den Spruch: Nachfolge kostet Geld, keine Nachfolge kostet Arbeitsplätze.

Haben Sie Anmerkungen oder Hinweise? Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, wenn ich Ihnen an der ein oder anderen Stelle zu arg auf die Füße getreten bin. Ich glaube aber, dass es unserem deutschen Mittelstand nichts bringt, immer nur um den heißen Brei herum zu reden. Und ich bin der festen Überzeugung, dass unser Wohlstand fest damit zusammenhängt, dass wir hier einen Mittelstand haben. Deshalb sollte wir alle es als unsere Pflicht, unsere Verantwortung verstehen, etwas für seinen Erhalt zu tun.

Ich freue mich wie immer über Ihr Feedback! Es würde mich auch sehr freuen, wenn Sie mir von Ihren Erfahrungen mit Mitarbeitern oder Chefs berichten. Wie ist es Ihnen ergangen?

Wenn Ihnen der Beitrag gefallen hat und Sie denken, dass er auch Unternehmern helfen kann, die Sie kennen, dann würde ich mich freuen, wenn Sie ihnen den Beitrag weiterempfehlen.

Ihr Prof. Dr. Holger Wassermann