Nachfolge in Familienunternehmen

Geschäftsübernahme Familienbetrieb: Die typischen Konflikte bei der Nachfolge in Familienunternehmen

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Die Konflikte und Probleme bei der Nachfolge in Familienunternehmen kann weitreichende Folgen haben – sowohl geschäftlich als auch familiär. Wir haben diverse Interviews mit den Senioren, aber auch mit der nachfolgenden Generation bezüglich der Unternehmensnachfolge des Familienunternehmens geführt. Darunter gab es sehr gelungene, gut organisierte, gescheiterte und konfliktbefangene familieninterne Nachfolgeregelungen.

In diesem Beitrag haben wir Ihnen die Interviews zusammengestellt, die Sie wachsam machen sollen, damit Sie die typischen Konflikte in der familieninternen Nachfolge vermeiden. Denn wie wir wissen steht hier wesentlich mehr auf dem Spiel als z.B. bei einem externen Unternehmensverkauf. Denn die Firma bleibt immer Teil der Familie.

Die typischen Probleme bei der Nachfolge in Familienunternehmen:

Wir fühlen uns manchmal ganz allein mit unseren Problemen. Mulmige Gefühle im Bauch und Zweifel machen sich in Familienunternehmen bei jeder Generation breit, wenn es um die Unternehmensnachfolge geht. Aber ich kann Sie beruhigen, die geführten Interviews mit Familienunternehmern zeigen: Die Muster und Probleme beim Generationswechsel wiederholen sich. Das bedeutet, Sie können sich darauf einstellen und in der Regel immer, wenn auch mit einer professionellen Nachfolgeberatung, eine Lösung finden.

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1) Mangelnde Kommunikation

Das Schlimmste an der Nachfolgeplanung ist wahrscheinlich, wenn Probleme oder gar die anstehende Nachfolge in Familienunternehmen nicht besprochen wird und Erwartungen innerhalb des Unternehmens nicht eingehalten werden. Auch wenn der Sohn oder die Tochter in der Firma arbeitet, heißt das keineswegs, dass sie das Unternehmen auch weiterführen möchten. Wenn Sie frühzeitig, offen und regelmäßig über ihre Wünsche und Bedürfnisse sprechen, können Lösungen gefunden und das Vertrauen gewahrt werden.

Ronald Köbe hat die Steuerkanzlei seines Vaters übernommen. In seiner Arbeit als Steuerberater hat er einige familieninterne Nachfolgen miterlebt und rät dringend zur offenen Kommunikation unter zur Hilfenahme eines objektiven Dritten, wie z.B. einem Nachfolge-Coaching für Familienunternehmen.

Von seinen persönlichen Erfahrungen, spricht Ronald Köbe im nachfolgenden Interview.

Es hilft auch, sich innerhalb der Familie frühzeitig und offen mit dem Thema Nachfolge zu beschäftigen. Neben Büchern und vielen Online-Texten ist auch die Landkarte Unternehmensnachfolge ein erstes gutes Werkzeug, um einfacher miteinander in den Dialog zum Nachfolgeprozess zu kommen, die wichtigen Schritte und Themen im Auge zu behalten und den Prozess nach vorn zu bringen.

Landkarte zur Kommunikation in Unternehmensnachfolge

2) Das Rollen-Problem in der Kommunikation

Unbewusste Kommunikation birgt das größte Konfliktpotenzial in der Nachfolge von Familienunternehmen. Denn was passiert, wenn die Vermischung der privaten und geschäftlichen Rolle in der Familie immer wieder zu Konflikten führt? Oft sind sich Kinder und Eltern gar nicht Ihrer Rolle bewusst, wenn sie unbewusst im Geschäftsleben reagieren oder kommunizieren.

So sagt der Vater beispielsweise zum Sohn: “Heute kommen die neuen Lieferanten zur Besichtigung. Sorge bitte dafür, dass das Lager bis 15:00 Uhr picobello ist.” Je nach Ton und Tagesverfassung, kann diese Nachricht schnell in der Vater-Sohn-Rolle wahrgenommen werden, weil es in der Vergangenheit immer mal wieder Probleme mit der Ordnung im Kinderzimmer gab.

Die Doppel-Rolle muss beiden bewusst sein. Besonders problematisch kann dies werden, wenn ein Elternteil nach der Übergabe im Unternehmen bliebt. Nils Koerber berichtet, dass dies die gesamte Entwicklung des Unternehmens bremste bzw. teilweise sogar unmöglich machte.

3) Dem Nachfolger wird kein Rahmen geschaffen, um als Chef heranzuwachsen

Als Elternteil steht man in der Verantwortung, das Kind auf das Leben vorzubereiten. Eines Tages ist es dann an der Zeit loszulassen, damit das Kind eigene Erfahrungen sammeln kann. Die eigenen Fehler sind hier die beste Quelle für Wachstum. Denn wie im echten Leben, muss gelernt werden, mit den Konsequenzen von Fehlentscheidungen klarzukommen und entsprechend die Verantwortung zu tragen. Bei der Vorbereitung der Nachfolge in Familienunternehmen muss dafür der richtige Rahmen geschaffen werden.

Ein eigener Verantwortungsbereich kann z.B. helfen, um als Führungsperson heranzuwachsen und sich die Anerkennung von den Kollegen Schritt für Schritt zu erarbeiten. Es geht nicht darum, alles von Beginn an richtigzumachen, sondern dass eine Entwicklung ermöglicht wird. Nachfolger Christian Geyer wurde zum Beispiel im Rahmen der familieninternen Nachfolgeregelung der Aufbau einer neuen Geschäftseinheit ermöglicht. Für ihn eine perfekte Spielwiese, um die Verantwortung als Chef zu proben.

In dem folgenden Podcast erfahren Sie Folgendes:

  • Familieninterne Nachfolge ist ein wichtiger Aspekt für Familienunternehmen; sichert Unternehmenszukunft und Familienerbe.
  • Vorteile der familieninternen Nachfolge: Kontinuität, Erhaltung von Unternehmenskultur und Familientradition, geringere Kosten und Zeitaufwand für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger.
  • Herausforderungen der familieninternen Nachfolge: emotionale Hürden, potenzielle Familienkonflikte, mögliche fehlende Qualifikationen des Nachfolgers, ungleiche Aufteilung des Familienvermögens.
  • Für eine erfolgreiche Nachfolge sind frühzeitige Planung, offene Kommunikation, professionelle Beratung und die Identifizierung und Förderung potenzieller Nachfolger entscheidend.
  • Christian Geyer führte das Unternehmen nach der Übernahme erfolgreich weiter und erreichte Wachstum.

4) Die familieninterne Nachfolge wird unzureichend geplant

Besonders wichtig ist die Akzeptanz unter den Mitarbeitern. Der Nachfolger muss das Unternehmen anführen und als neuer Chef akzeptiert werden. Hier lastet ohnehin viel Druck auf dem Nachfolger. Alle Augen sind auf ihn oder sie gerichtet.

Wenn man sich allerdings viel Zeit für den Übergabeprozess lässt, dann gelingt einem auch schon mal eine 5-Sterne-Plus Nachfolge. Wie z.B. Hans-Joachim Schulze und seinem Sohn, die sich einen 10-Jahres-Plan überlegt haben. Im nachfolgenden Podcast erfahren Sie:

  • wie nach Nachfolgevorbereitung Schritt für Schritt funktioniert,
  • warum die Vorbereitung 10 Jahre vor geplantem Termin der Übergabe beginnen sollte,
  • das Loslassen muss nicht immer schwerfallen muss,
  • was die Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Nachfolgevorbereitung sind.

5) Erwartungsdruck

Kinder möchten es richtig machen. Sie möchten sich in der Rolle als Chef beweisen und das von den Eltern mühsam aufgebaute Unternehmen erfolgreich weiterführen. “Führen” ist das Stichwort. Jüngere Generationen führen anders. Eine neue Fehlerkultur, flache Hierarchien und stärkerer Fokus auf Digitalisierungsthemen nehmen Einfluss auf den Führungsstil.

Das erfordert Offenheit der älteren Generation. Geraten Eltern und Kind bei diesem Thema immer wieder aneinander, führt das zu einem enormen Druck. Besonders, wenn diese Konflikte nicht unter vier Augen bleiben. Denn dann wird es der Nachfolger schwierig haben als Chef akzeptiert zu werden.

Matthias Schultze führte der Druck, es dem Vater beweisen zu wollen, zu Arbeitswochen mit über 100 Arbeitsstunden. Was nach acht Jahren folgte, war ein unfassbarer Aufprall auf den Boden der Tatsachen – Burnout. Die Firma stand vor dem Ruin und der Sohn fand sich in einer schweren Lebenskrise wieder. Das war es dann erstmal mit der Nachfolgeregelung im Familienunternehmen. Im zweiten Anlauf liefen die Dinge anders – nämlich viel besser.

Die ganze Geschichte in diesem Interview:

6) Schlechtes “Unternehmer-Marketing” am Küchentisch

Wer zu Hause am Küchentisch darüber beschwert, dass Mitarbeiter unfähig sind, Kunden nicht zahlen und der Staat einem durch die Bürokratie das Leben schwer macht – der muss sich nicht wundern, wenn die Kinder nicht in die elterlichen Fußstapfen treten möchten. Einer, der das viel besser gemacht hat, ist der ehemalige Garten- und Landschaftsbauer Werner Küsters:

Und sein Sohn Benjamin Küsters:

Podcast #076: Nach familieninternee Unternehmensnachfolge nach Panama

Die Firmennachfolge hinter sich bringen und dann auswandern. In ein Land mit traumhaft schönen Stränden, wo das ganze Jahr über angenehme Temperaturen herrschen. 

So oder so ähnlich könnte der Traum von vielen Unternehmern lauten. Vielleicht war das sogar mal die Intention als die eigene Firma gegründet wurde. Jürgen Schlenzig hat sich diesen Traum zusammen mit seiner Frau verwirklicht und ist nach der Firmennachfolge nach Panama an die Pazifikküste ausgewandert. Mittlerweile lebt der Unternehmer, Freidenker und Hobbypilot seit fast zehn Jahren an der Pazifikküste.

Was Sie in dieser Episode erfahren werden:

  • Warum die Firmennachfolge an die Söhne so reibungslos verlief.
  • Warum es für das Ehepaar Schlenzig nach der Firmennachfolge nach Panama ging.
  • Was Panama so lebenswert macht.
  • Welcher Beschäftigung der Alt-Inhaber heute nachgeht.
  • Tipps für Unternehmer, die die Firmennachfolge noch vor sich haben.

Auswandern nach der Firmennachfolge: „Nach der Firmennachfolge wollten wir in ein Land, wo wir nicht mehr Schnee schippen müssen“

Jürgen Schlenzig hat die Firma SITEFORUM GmbH 1999 zusammen mit seiner Frau und den beiden Söhnen gegründet, um browserbasierte Software Applicationen zu programmieren.

Die Gründung beschreibt Jürgen Schlenzig selbst so, dass er seine Unternehmensnachfolge direkt während der Gründung mit eingebaut hat. Beide Söhne hatten schon früh die Geschäftsführerpositionen inne und hatten ihre eigenen Geschäftsbereiche zu verantworten. „Das ist natürlich eine Konstellation, die die Übergabe nachher sehr viel einfacher macht.“, so der Alt-Inhaber.

Mit einer innovativen Strategie notwendiges Wachstum für die Firmennachfolge erzeugen

Für Jürgen Schlenzig war zur Gründung klar, dass er den Betrieb an seine Söhne übergeben möchte. Damit die Firmennachfolge gelingen kann, musste ein gewisses Wachstum erreicht werden, damit der Betrieb eine übergabefähige Größe erreicht. Da die Software Branche sich sehr schnell wandelt, setzte das Familienunternehmen auf eine Unternehmensstrategie, die ausschließlich auf die Entwicklung von webbasierter Software ausgelegt war. Das sind Softwarelösungen, die im Internetbrowser funktionieren und nicht auf dem Computer installiert werden müssen. Was heute fast wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, war 1998 etwas völlig Neues und innovatives.

„Damals sind wir damit sicher ein Risiko eingegangen, aber wir waren unserer Zeit damit einen Schritt voraus.“ Diese Strategie hat langfristig funktioniert und erzeugte entsprechendes Wachstum, sodass die Firmennachfolge 2008 realisiert werden konnte. Zu der Zeit beschäftigte die Firma 20 Mitarbeiter.

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Auswandern nach der Firmennachfolge: „Nach der Firmennachfolge wollten wir in ein Land, wo wir nicht mehr Schnee schippen müssen”

Jürgen Schlenzig hat die Firma SITEFORUM GmbH 1999 zusammen mit seiner Frau und den beiden Söhnen gegründet, um browserbasierte Software Applicationen zu programmieren.

Die Gründung beschreibt Jürgen Schlenzig selbst so, dass er seine Unternehmensnachfolge direkt während der Gründung mit eingebaut hat. Beide Söhne hatten schon früh die Geschäftsführerpositionen inne und hatten ihre eigenen Geschäftsbereiche zu verantworten. „Das ist natürlich eine Konstellation, die die Übergabe nachher sehr viel einfacher macht.“, so der Alt-Inhaber.

Mit einer innovativen Strategie notwendiges Wachstum für die Firmennachfolge erzeugen

Für Jürgen Schlenzig war zur Gründung klar, dass er den Betrieb an seine Söhne übergeben möchte. Damit die Firmennachfolge gelingen kann, musste ein gewisses Wachstum erreicht werden, damit der Betrieb eine übergabefähige Größe erreicht.

Da die Software Branche sich sehr schnell wandelt, setzte das Familienunternehmen auf eine Unternehmensstrategie, die ausschließlich auf die Entwicklung von webbasierter Software ausgelegt war. Das sind Softwarelösungen, die im Internetbrowser funktionieren und nicht auf dem Computer installiert werden müssen. Was heute fast wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, war 1998 etwas völlig Neues und innovatives.

„Damals sind wir damit sicher ein Risiko eingegangen, aber wir waren unserer Zeit damit einen Schritt voraus.“ Diese Strategie hat langfristig funktioniert und erzeugte entsprechendes Wachstum, sodass die Firmennachfolge 2008 realisiert werden konnte. Zu der Zeit beschäftigte die Firma 20 Mitarbeiter.

„Plane die Firmennachfolge genauso wie du den Aufbau des Unternehmens geplant hast.“

Seine gut und deutlich gemeinte Empfehlung: „Beende die Unternehmerphase selbst. Kümmere dich darum und wartet nicht bis Alter, Gesundheit oder die Pleite mit dem Ende drohen.“ Besonders im Hinblick darauf, dass man meistens viele Jahre investiert hat und Herzblut in die Sache gesteckt hat, ist das sicher der beste Rat, den man beherzigen kann.

Außerdem solle man rechtzeitig starten und dieses Ereignis mit etwas Positivem verbinden. Einem Traum oder einem Wunsch, der auf einen wartet, wenn die Firmennachfolge abgeschlossen ist. Dann freut man sich auch auf diesen Moment.

Darüber hinaus noch die folgenden Tipps:

  • sorge weiterhin für Wachstum
  • kümmere dich um einen geeigneten Nachfolger
  • baue Jahre vorher Beziehungen zu strategischen Partnern auf, die als Käufer infrage kommen könnten

7) Langfristige Kaufpreis-Regulierungen erzeugen Druck und Konflikte

Es ist nett gemeint, dass die Rückzahlung des Kaufpreises über eine lange Distanz zu guten Konditionen direkt zwischen Eltern und Kind geregelt wird. Aber was passiert, wenn es dem Unternehmen mal nach der Übergabe mal nicht so gut geht? Je nach finanzieller Abhängigkeit der Eltern, kann das zu unangenehmen Konflikten führen. Langfristige Kaufpreis-Regulierungen sind zu vermeiden.

8) Die Berater der Familie sind nicht auf die familieninterne Nachfolge spezialisiert

Alle Unternehmer und Nachfolger, die wir interviewt haben, sind sich in diesem Punkt einig: Man sollte immer auf einen Fachberater für die Unternehmensnachfolge zurückgreifen, die nachweislich auf das Thema (familieninterne) Nachfolge spezialisiert sind. Sonst werden Unternehmen überbewertet oder falsch bewertet, Steueroptimierungen nicht genutzt oder Kommunikationskonflikte sind vorprogrammiert.

Fazit: Die typischen Konflikte bei der Nachfolge in Familienunternehmen

Wir hoffen, dass Sie einen ersten Eindruck davon bekommen haben, worauf Sie bei Ihrer Nachfolgeregelung achten sollten. Die Geschichten aus der Praxis beweisen, dass es im Grunde sehr viel auf eine offene Kommunikation untereinander ankommt. Hierfür können Sie sich auch einen Dritten zur Hilfe nehmen. Kontaktieren Sie uns gerne, wir sprechen gerne eine Empfehlung aus.

Welches Konfliktpotenzial sehen Sie in der familieninternen Nachfolge? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar!

Lese-Tipp: Vergessen Sie nicht, dass Mitarbeiter auch involviert werden müssen und welche Fehler Sie beim Firmenverkauf besser vermeiden sollten.

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