In einem Jahr digital! Das Interview mit Ömer Atiker zu digitale Transformation von Firmen.

Jeder spricht darüber und trotzdem haben viele Unternehmer Fragezeichen im Kopf, wenn es darum geht, das eigene Unternehmen einer digitalen Transformation zu unterziehen.

Viele fragen sich mit Sicherheit: Gilt das auch für mein Unternehmen? Wie finde ich das heraus? In welchen Schritten gehe ich vor?

Wir haben jemanden gesucht, der Klartext zum Thema spricht – und gefunden. Er ist gegen Hype und Hysterie und nimmt kein Blatt vor den Mund. Omer Atiker ist der Mann für digitale Strategie und Autor des neu erschienenen Buches: In einem Jahr digital. Das Praxishandbuch für die digitale Transformation Ihres Unternehmens.

In diesem Interview erfahren Sie:

  • was bedeutet digitale Transformation
  • sind Industrie 4.0 und digitale Transformation das Gleiche?
  • In einem Jahr digital – geht das wirklich?
  • welche Schritte Sie für die digitale Transformation Ihres Unternehmens gehen müssen

Hinweis: Dieser Artikel ist eine freie Zusammenfassung und Erweiterung des Interviews. Wir empfehlen das Interview anzuhören UND nachzulesen.

Was bedeutet digitale Transformation von Firmen eigentlich?

Machen Sie nicht den Fehler und digitalisieren Sie planlos, weil alle irgendwie digitalisieren. Fragen Sie sich an welcher Stelle entsteht Wert für meinen Kunden und wie kann dieser mit Hilfe einer digitalen Lösung erhöht werden. Dafür muss man nicht wissen, welche digitalen Lösungen es am Markt gibt. Sondern, Ömer Atiker rät, sich zu fragen welche digitalen Lösungen sind für mein Unternehmen relevant, um einen tatsächlichen Mehrwert für meinen Kunden zu schaffen. Oder muss sogar etwas komplett Neues entwickelt werden? Hier sind alle Abteilungen von der Entwicklung über Produktion, Kundenservice und Buchhaltung gefragt. Die digitale Transformation von Firmen zieht sich durch alle Abteilungen. Jede Abteilung muss eigenständig in der Lage sein, zu prüfen, ob entsprechende Lösungen am Markt vorhanden sind.

Sind Industrie 4.0 und die digitale Transformation von Firmen ein und das Selbe?

Es reicht nicht aus, Prozesse zu automatisieren oder effizienter zu gestalten. Das Verständnis muss bei der digitalen Transformation soweit gehen, dass Sie ihr Angebot werthaltiger durch digitale Lösungen gestalten. Als Beispiel führt Ömer Atiker Mercedes Benz an. Dort sind viele Produktionsstraßen digitalisiert und der Nachschub an Produktionsteilen erfolgt automatisch. Das wird dann als Industrie 4.0 bezeichnet. Dies stellt aber noch keine digitale Transformation dar. Industrie 4.0 ist wichtig, jedoch ohnehin notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Automobilhersteller zum Beispiel, die sich digital transformieren, werden zu Mobilitätsanbietern. Die Produktion von Autos ist dabei nur ein kleiner Teil davon. Denn die Frage des Kunden lautet: Wie komme ich von A nach B? Deswegen investiert Mercedes Benz viel in die Forschung für die Mobilität von Morgen. Außerdem hat das Unternehmen bereits den Car Sharing Dienst Car2Go am Markt platziert. Wenn das Problem von A nach B zu kommen unter Zuhilfenahme intelligenter digitaler Möglichkeiten gelöst werden kann, dann vollzieht sich eine digitale Transformation, die einen tatsächlichen Mehrwert für den Kunden liefert.

In einem Jahr digital – geht das wirklich?

Um diese Frage zu beantworten, müsste die Digitalisierung einen Start- und Endpunkt haben. Tatsächlich vollzieht sich die digitale Transformation jedoch als fortlaufender Prozess. Es ist ein Wandel, bei dem Sie zuschauen oder mitmachen können. Die Frage ist also nicht, wann Sie fertig sind, sondern wann sie richtig loslegen und welche Schritte Sie dabei gehen sollten.

5 Schritte für die digitale Transformation von Firmen

Schritt 1: Bestimmung des aktuellen Standortes

Wer die digitale Transformation des eigenen Unternehmens anstoßen möchte, sollte zunächst einen Ausgangspunkt finden. Finden sie heraus wo sie sich mit ihrem Unternehmen am Markt befinden und an welchen Stellen Sie bereits digitale Lösungen nutzen. Das gilt für interne Prozesse aber auch für externe Komponenten wie z.B. die Kommunikation nach außen mit dem Kunden oder die digitale Kundengewinnung. Die Frage „wie digital sind wir“, sollte sich dann jede Abteilung im Unternehmen selber stellen. Das gilt für die Entwicklung, Produktion, Marketing, Buchhaltung usw.

Hier ein paar Beispiele und Empfehlungen aus der Unternehmer Radio Redaktion (teilweise Affiliate Links):

Darüber hinaus sollte ihr Geschäftsmodell unter digitalen Gesichtspunkten in Frage gestellt werden. Was das im Einzelnen für Sie bedeutet, sollten Sie im Team intern besprechen. Hier sind Offenheit und Kreativität gefragt. Wie Sie solche Teamgespräche führen, darauf gehen wir später noch ein. Auch ein Experte kann helfen, um einen Workshop zu unterstützen oder eine Strategie auszuarbeiten.

Schritt 2: Bestimmung des Ziels und der Strategie

Natürlich ist es bei der rasanten Entwicklung der Digitalisierung schwierig, ein festes Ziel zu bestimmen. Jedoch können sie sich erst einmal die Frage stelle, wo soll mein Unternehmen in zwei bis drei Jahren stehen? Wenn sie sich in dem Zuge die aktuelle digitale Entwicklung betrachten, müssen sie versuchen ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo die Reise hingeht und welche Rolle sie einnehmen möchten. Das klingt theoretisch und hypothetisch – ist es am Anfang aber auch.

Deswegen müssen Sie eine entsprechende Kultur im Unternehmen entwickeln, die eine Definition solcher Hypothesen zulässt. Denn wenn sie das Ziel spüren können, sind sie in der Lage eine entsprechende Strategie abzuleiten. Diese Strategie zeigt ihnen dann den Weg auf, wie sie zu ihrem Ziel gelangen. Dadurch werden Anforderungen sichtbar. Zum Beispiel, ob sie neues Wissen, neue Leute, neue Organisationsstrukturen, neue Werkzeuge oder eine neue Kultur im Unternehmen entwickeln müssen.

Schritt 3: Führung und Kultur den neuen Gegebenheiten anpassen

Insbesondere die Kultur sollte den Mitarbeitern die Freiheit geben, neue Dinge auszuprobieren. Das braucht in der Regel Zeit. Folglich darf der dafür entstandene Mehraufwand nicht in die Bewertung durch bisher bestehende Kennzahlen mit einfließen.

Deswegen sollten sie ihren Mitarbeitern zusätzliche Zeit einräumen, um sich der digitalen Transformation ihrer Abteilung anzunehmen. Ein Mitarbeiter wird sich vermutlich schwer tun in ein neues Thema einzuarbeiten, wenn die Auftragsbücher voll sind. Diese Zeit, die sie ihren Mitarbeitern einräumen, ist als Investition zu betrachten. Denn dadurch können sie sich einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten oder überhaupt wettbewerbsfähig am Markt bleiben. Dieses Wachstumspotenzial sollte der Mitarbeiter nachvollziehen können.

Außerdem gilt es in Sachen Kultur auch eine offene Haltung gegenüber Fehlern und Scheitern einzunehmen. Das Scheitern sollte bei erforschen von Neuland als Verbesserungspotenzial identifiziert werden, um dem gewünschten Ziel näher zu kommen.

Sicher ein ultimatives aber auch unterhaltsames Beispiel ist das amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX. Unternehmer und Investor Elon Musk benötigte mit SpaceX etliche Tests, über 23 Flüge und viele Rückschläge, um eine wiederverwendbare Rakete ins All zu schießen, die anschließend wieder sicher auf der Erde landet. Alles damit später eine bemannte Rakete eine Flugdistanz bis zum Mars schaffen kann.

Das Refuel System von SpaceX

Die Story der wiederverwendbaren Falcon 9 Rakete

Die Digitale Transformation von Firmen, zurück zum Thema 😉

Schritt 4: Wiederstände im Team überwinden

Wie bereits im Schritt 3 erwähnt, müssen bei der digitalen Transformation ihres Unternehmens alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen. Geschieht das nicht, entstehen Wiederstände im Team, die den gesamten Fortschritt gefährden.

Um das zu vermeiden, muss ggf. jedem einzelnen Mitarbeiter erklärt werden, warum der anstehende Prozess der Digitalisierung wichtig für das eigene Unternehmen und vor allem auch für den einzelnen Mitarbeiter ist. Letzteres wird häufig vergessen, ist aber sehr sehr ernst zu nehmen.

Der Mitarbeiter muss ein eigenes Interesse entwickeln mit zu ziehen und darf den Prozess der Digitalisierung nicht als Bedrohung oder unwichtig ansehen. Es ist die Aufgabe des Unternehmers ein Zukunftsszenario aufzuzeigen, dass für den Mitarbeiter besser aussieht als die Gegenwart.

Werden Arbeitsprozesse erleichtert oder Arbeitsaufgaben komplett neu definiert? Bekommt der Mitarbeiter die Gelegenheit etwas neues zu lernen und sich weiter zu entwickeln? Es ist wichtig diese Fragen proaktiv zu beantworten, damit Veränderungsprozesse akzeptiert und gelebt werden.

Schritt 5: Machen!

Das wir nur Veränderung erreichen können indem wir handeln, sollte jedem Unternehmer klar sein. Wir brauchen Mut, Neugier und Ausdauer bis wir unser Ziel erreichen. Für die digitale Transformation ihres Unternehmens gilt das Gleiche. In diesem letzten Schritt sollten sie die Schritte 1-4 immer wieder im Blick haben und ggf. nachjustieren, damit das, was am Ende rauskommt, auch einen tatsächlichen Mehrwert für ihren Kunden darstellt. Denn das ist der Kern der digitalen Transformation: Werte schaffen für den Kunden.

Warum die Digitale Transformation von Firmen wichtig für die Unternehmensnachfolge ist

Im Rahmen der Unternehmensnachfolge dient die digitale Transformation des eigenen Unternehmens als Beweis dafür, dass ein lebendes und wachsendes Objekt mit Zukunftspotenzial gekauft wird. Im Idealfall können sogar schon Strategie und erste Ergebnisse vorgelegt werden, die es dem Nachfolger ermöglichen, direkt auf einem Veränderungsprozess aufzusatteln.

Außerdem werden die Übergabefähigkeit und die Attraktivität des Unternehmens gefördert. In Zeiten eines Nachfolgermangels, können Käufer sich die Rosinen herauspicken. Nicht digitale Firmen könnten da eher etwas verstaubt in der Auslage wirken…

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