Auch dieses Jahr haben wir wieder mit Dr. Marc Evers über den aktuellen DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017 gesprochen. Was sich geändert hat, welche Trends erkennbar sind und welchen langfristigen Problemen wir uns zur Erhaltung eines starken Mittelstands in Deutschland stellen müssen, erfahren Sie in diesem Interview.

Erfahrungsberichte der IHK-Berater zur Unternehmensnachfolge und 21.000 Kontakte der IHK-Experten zu Senior-Unternehmern und potenziellen Nachfolgern.

 

Was Sie in dieser Episode lernen werden:

  • Wie stehen die Chancen um einen passenden Nachfolger in Deutschland?
  • Woran scheitern Unternehmensnachfolgen am häufigsten?
  • Wer hat das Thema Digitalisierung zu stemmen, Senior-Inhaber oder Nachfolger?
  • In welchen zeitlichen Stufen sollte der Prozess der Unternehmensnachfolge erfolgen? (Eine Empfehlung der IHKs)
  • Welche Hilfestellungen bieten die regionalen IHKs?

 

Die Wichtigsten Fakten des DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017:

Die Situation der Unternehmensnachfolge in Deutschland hat sich weiter verschlechtert. Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017 zeigt, dass wir in Deutschland erneut ein Allzeit-Hoch an Unternehmen erreicht haben, die einen geeigneten Nachfolger suchen. Ebenfalls alarmierend ist, dass die Hälfte der Betriebe, die sich bei der IHK melden, keinen passenden Nachfolger finden. Gleichzeitig wächst aber auch die Aufmerksamkeit im Mittelstand für dieses Thema.

 

Die Schere zwischen suchenden Senior-Inhabern und Nachfolgern klafft weiter auseinander.

Grafik: die Schere zwischen Unternehmer und Nachfolger klafft weiter auseinander

Quelle: DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017, https://www.dihk.de/themenfelder/gruendung-foerderung/unternehmensnachfolge/umfragen-und-prognosen/umfrage-unternehmensnachfolge

 

Laut dem DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017, wird die Suche nach einem geeigneten Nachfolger zunehmend schwerer. Dafür gibt es laut Dr. Marc Evers drei Hauptgründe, von denen zwei wirklich langfristiger Natur sind.

  1. Demografie: In Deutschland gibt es immer mehr Personen fortgeschrittener Jahrgänge, während die Zahl an jüngeren Personen sinkt.
  2. Interesse an der Gründung oder einer Übernahme sinkt: Im internationalen Vergleich, sinkt bei 25-45 Jährigen in Deutschland zunehmend das Interesse an einer Gründung oder Übernahme eines Unternehmens. Auch wenn Deutschland eine wachsende Start-Up Szene hat, hat dieses Segment die 10 Prozent Grenze des Marktanteils noch nicht überschritten. Hinzu kommt die aktuelle Jobsituation. Es gibt reichlich sichere und gut bezahlte Jobs. Während vor einigen Jahren Firmen teilweise aufgrund von Arbeitslosigkeit gegründet wurden, haben junge und gut ausgebildeten Menschen heute beste Jobmöglichkeiten.
  3. Enorme Unsicherheiten bei der Erbschaftssteuer: Die Folgen der Erbschaftssteuerreform von 2016 sind noch nicht in anwendbare Verwaltungsrichtlinien überführt. Sprich es ist nahezu unmöglich die Steuerbelastung für Unternehmen auszurechnen. Diese Unsicherheiten sind von 2016 zu 2017 von 16 auf 23 Prozent gestiegen. Sie werden insbesondere in den Familienunternehmen diskutiert, bei denen eine familieninterne Nachfolge ansteht.

 

 

Mehr Zulauf bei Beratungsangeboten und Veranstaltungen der IHK bemerkbar

Der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017 zeigt auf, dass das Problem der Nachfolge im Mittelstand angekommen ist. Immer mehr Unternehmer nehmen das Problem und die Komplexität des Themas ernst. So suchen immer mehr Inhaber den Kontakt zur IHK und verhalten sich wesentlich offener dem Thema gegenüber. Dies zeigt sich auch in den Veranstaltungen der IHKs, die zahlreich besucht werden. Das habe sich etwas verbessert, so Dr. Marc Evers.

Grafik über die Nutzung des Beratungsangebotes

Quelle: DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017, https://www.dihk.de/themenfelder/gruendung-foerderung/unternehmensnachfolge/umfragen-und-prognosen/umfrage-unternehmensnachfolge

 

Letztes Jahr wurde der erste bundesweite Aktionstag zur Unternehmensnachfolge bei den regionalen IHKs veranstaltet. Hier wurden in einer Abendveranstaltungen über grundsätzliche Themen zur Unternehmensnachfolge informiert. Darüber hinaus wurden auch unterschiedliche Formate wie Podiumsdiskussionen und Speed-Dating Runden angeboten. Beim Speed-Dating konnten sich Senior-Inhaber und vorausgewählte Nachfolgekandidaten bei einem kurzen Gespräch kennenlernen. So können beide herauszufinden, ob die Chemie stimmt. Denn das sei mit das wichtigste zwischen beiden, so Dr. Marc Evers. Der Aktionstag findet auch in diesem Jahr am 21. Juni wieder bei den 79 regionalen IHKs statt.

 

Die größten Hindernisse drehen sich laut DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017 um das liebe Geld

Zwischen 40-45 Prozent der Senior-Inhaber fordern einen überhöhten Kaufpreis. Zum einen ist das die Empfindung der gefragten Nachfolger. Die überhöhten Preise mögen sich für den Verkäufer zwar gerechtfertigt anfühlen, leider sind diese Preise aber oft nicht am Markt durchsetzbar.

Die Ursache der überhöhten Kaufpreise liegt verständlicherweise in der so genannten „Herzblut-Rendite“ des Unternehmers, so Dr. Marc Evers. Der Aufwand, der über Jahrzehnte in das Unternehmen gesteckt wurde, entwickelt sich zu einem sehr emotionalen Aspekt. So möchte der Senior-Inhaber diesen Aufwand entsprechend entlohnt wissen. Wohingegen der Käufer sehr nüchtern an die Bewertung herangeht. Hier ist respektvolles Annähern beider Seiten erforderlich, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Welche Hebel sie nutzen können, um ihren Wunschpreis zu erhalten, das erfahren sie in diesem Interview: #064 – Firmenwert berechnen: 6 Tipps wie Sie Ihre Firma zum Wunschpreis verkaufen

 

Fast die Hälfte aller Nachfolger unterschätzen die Anforderungen an die Unternehmensnachfolge

Die Unternehmensnachfolge ist keine Gründung im gemachten Nest. Besonders in Zeiten in denen Unternehmen aufgrund der Digitalisierung umdenken müssen, werden Nachfolger stark gefordert. An ihnen hängt die Aufgabe ein eingespieltes Team mit Veränderung zu konfrontieren. Besonders im Handel ergeben sich starke Veränderungen im Geschäftsmodell und im Online Vertrieb. Da bedarf es viel Fingerspitzengefühl und hohes Maß an Führungsqualität, um eine ganze Belegschaft auf einen zukunftsträchtigen Kurs zu bringen.

Das Thema Digitalisierung jedoch gänzlich auf den Schultern des Nachfolgers abzuladen ist jedoch der falsche Weg. Es ist die Aufgabe des Senior-Unternehmers JETZT zu handeln und das Unternehmen in den Grundzügen auf einen digitalen Weg zu bringen. Das kann bedeuten, dass zum Beispiel die Kundengewinnung online funktioniert, dass Arbeits- und Maschinenprozesse digitalisiert und damit messbar und steuerbar gemacht wurden oder das Geschäftsmodell den neuen Kundenbedürfnissen angepasst wurde.

 

 

Viele Senior-Unternehmer gehen die Unternehmensnachfolge zu spät an

Laut dem DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge sind 43 Prozent der Alt-Inhaber nicht rechtzeitig auf die Unternehmensnachfolge vorbereitet.

Grafik Hindernisse der Unternehmer bei der Unternehmensnachfolge

Quelle: DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017, https://www.dihk.de/themenfelder/gruendung-foerderung/unternehmensnachfolge/umfragen-und-prognosen/umfrage-unternehmensnachfolge

Der Prozess der Unternehmensnachfolge kann in vier Stufen unterteilt werden:

Erste Stufe: 10 bis 3 Jahre vor der Übergabe sollte der Unternehmer beginnen, sein Unternehmen auf die Nachfolge vorzubereiten. Hier sollte insbesondere das Geschäftsmodell auf den Prüfstand gestellt werden.

  • Ist das, was ich da anbiete noch zukunftsorientiert?
  • Muss ich auf die Online-Konkurrenz reagieren und innovative Wege gehen?
  • Stimmen die Margen noch und wirken diese attraktiv auf einen Nachfolger?
  • Kann ich den Nutzen für meine Kunde durch neue Innovationen erhöhen?
  • Ist es maschinell und organisatorisch auf einem aktuellen Stand oder muss ich investieren?

Zweite Stufe: Die Suche nach einem geeigneten sollte mindestens drei Jahre vor der geplanten Übergabe erfolgen.

Dritte Stufe: Ein Jahr einplanen für die Transaktionsphase an einen geeigneten Nachfolger.

Vierte Stufe oder auch „Stunde Null“: Die Übergabe ist erfolgt, die Verantwortung ist übergeben, der Nachfolger hat übernommen. Der Senior-Unternehmer steht dem Unternehmen ggf. noch als externer Berater zur Verfügung.

 

Wie die regionalen IHKs bei der Unternehmensnachfolge unterstützen können

Dr. Marc Evers empfiehlt in erster Linie: Keine Scheu und zum Hörer greifen. Lassen sie sich bei Ihrer regionalen IHK zu jemandem durchstellen, der für die Unternehmensnachfolge verantwortlich ist.

Darüber hinaus bieten viele IHKs Informationsveranstaltungen bei ihnen in der Nähe an. Wenn sie ihre Unternehmensnachfolge angehen möchten, dann können sie auch einen persönlichen Termin mit ihrem zuständigen IHK Nachfolgeberater vereinbaren.

Wenn sie einen Nachfolger suchen oder ihr Unternehmen inserieren möchten, werfen sie einen Blick auf die Unternehmensbörse https://www.nexxt-change.org.

Wenn sie schon einen Nachfolger im Blick haben und dieser Interesse hat, bieten die IHKs auch die Möglichkeit ein solches Gespräch zu moderieren.

Hier geht es zum Download des DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017: Zur IHK

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