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Episode #033: Gestärkte Unternehmensfortführung eines Malerbetriebes

Letzte Aktualisierung des Artikels am 21. Juni 2022 von Lars

Sebastian Krüger ist erfolgreicher Nachfolger – er erzählt aus seiner Sicht von der größten Herausforderung im Nachfolgeprozess, der Hürde mit der Bank und warum er auf eine gestärkte Unternehmensfortführung gesetzt hat. So war ihm besonders wichtig, dass der Altunternehmer fürs Erste mit im Boot bleibt, denn manchmal entscheidet nicht nur die Chemie, sondern auch die Ähnlichkeit, in welche Richtung das Ganze mal steuern könnte. Dazu mehr in diesem Unternehmer Interview:

Zu dem Nachfolger

Sebastian Krüger hat den Malerbetrieb bereits im Jahr 2014 mit zwei Festangestellten und einem Leiharbeiter übernommen. Das Unternehmen fand er über die Handwerkskammer. Er selber hat den Beruf des Malers erlernt, seinen Gesellenbrief und seinen Meister gemacht. 

Auch nach der Übergabe war der alte Geschäftsführer für insgesamt ein Jahr noch im Betrieb tätig, sodass der Nachfolger sich langsam hineinarbeiten konnte. Seit der Übernahme ist der Betrieb expandiert, bietet nun viele weitere Dienstleistungen an und beschäftigt mittlerweile elf Mitarbeiter inklusive Geschäftsführer. 

Vorlagen-Paket für den Unternehmensverkauf

Vorschaubild von Vorlagen zum Unternehmensverkauf

7 Verkaufsvorlagen:

  1. Due Diligence Checkliste (PDF)
  2. Finance Report (Excel)
  3. Firmen-Exposé (Word)
  4. NDA-Vertrag (Word)
  5. Firmen-Inserat (Word)
  6. Letter of Intent (Word)
  7. Vorgehensplan (PDF)

Hinweis: Es kann bei T-Online Emailadressen zu Registrierungsproblemen kommen.


Angestellter vs. Unternehmer

Vor allem sollte man sich darauf einstellen, dass geregelte Arbeitszeiten erst einmal der Vergangenheit angehören. Es werden mehr Aufgaben übernommen und als Nachfolger gilt auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern.

Doch Sebastian Krüger war vorbereitet, denn schon zuvor hielt er seine Kontakte zur ehemaligen Meisterschule und sicherte sich zuverlässige Ansprechpartner. Auch steuerrechtlich sollte man sich gut informieren, denn hier gebe es einige Dinge, die als Unternehmer auf einen zukommen, mit denen man zuvor eventuell nicht gerechnet habe. Ebenfalls die nun öfter stattfindenden Treffen mit dem Steuerberater seien ein großer Unterschied zwischen dem Angestelltenverhältnis und dem Unternehmersein. 

Um weitere Eindrücke zu erhalten, hat Herr Krüger auch den Kontakt zur Handwerkskammer, Berufsgenossenschaften und anderen Unternehmen gesucht.

Darum war die Gründung keine Option

Herr Krüger hatte die Wahl, selber klein anzufangen und sich alles selber aufzubauen, entschied sich jedoch dafür, mit einer gewissen Basis arbeiten zu wollen. Außerdem spielten der Ruf und Kundenstamm der Firma eine wichtige Rolle für einen gesicherten Start in die Unternehmensfortführung.

Die vorherigen Erfahrungen als Projektleiter in zwei weiteren größeren Unternehmen waren sehr hilfreich, um vorab Erfahrungen im Führungsbereich zu sammeln. So könnte Sebastian Krüger besser einschätzen, welche Dinge wirklich erforderlich sind und welche Dinge eventuell vernachlässigt werden können.

Bei der Suche nach einem Unternehmen half Sebastian Krüger vor allem die betriebswirtschaftliche Beratungsstelle der Handwerkskammer, an die man sich sowohl als Nachfolger als auch als Inhaber wenden kann.

Ein ausschlaggebender Punkt für die Übernahme war unter anderem die herzliche Aufnahme des Altunternehmers. Der Alteigentümer hat Herr Krüger sogar allen Mitarbeitern vorgestellt, um zu schauen, ob die Chemie untereinander passt. Jedoch war nicht nur die Chemie wichtig, sondern auch auf gewisse Ähnlichkeiten zwischen Inhaber und Nachfolger wurde geachtet. So konnte eingeschätzt werden, wie womöglich die Arbeit mit den Kunden harmoniert.

Die Suche nach dem passenden Nachfolger

Dem Alteigentümer war sehr wichtig, seinen Nachfolger kennenzulernen und, wie zuvor bereits erwähnt, seinen Mitarbeitern vorzustellen. Vor Krüger lernte der Eigentümer noch zwei bis drei andere potenzielle Nachfolger kennen. Die Suche dauerte bereits zwei Jahre. Demnach empfehlen Sebastian Krüger und Danilo Manca, rechtzeitig anzufangen, den Ist-Zustand zu ermitteln und sich ein Bild von der eigenen aktuellen Situation zu machen. 

Viele seiner jüngeren Kollegen verstanden nicht, warum er diesen Weg der Übernahme so gegangen ist, dennoch war es Krügers Meinung nach die richtige Entscheidung, den Firmennamen weiter voranzutreiben. 

Die größte Herausforderung im Rahmen der Übergabe war laut Sebastian Krüger, die Mitarbeiter von sich zu überzeugen. Da sich diese an die Vorgänge des Alteigentümers gewöhnt haben, war es nicht sehr einfach Veränderungen voranzutreiben. Im Nachhinein agierte Krüger vielleicht auch etwas streng. Erst nach vielen Gesprächen wurde gemeinsames Vertrauen geschaffen.

Finanzielle Angelegenheiten und Preisfindung

Die Preisfindung erfolgte unter anderem anhand der Bestandsaufnahme der Handwerkskammer. Circa ¾ des Firmenwertes bestanden demnach aus Lagerbeständen und Maschinen. Darüber hinaus hat Sebastian Krüger noch mehr für den Ruf und den Kundenstamm gezahlt, jedoch unter der Bedingung, dass der Alteigentümer weiterhin für ein Jahr als Berater zur Verfügung steht. 

Außerdem sei es wichtig, als Nachfolger Einblick in alle Bilanzen zu erhalten. Hier hat Herr Krüger einen Geheimhaltungsvertrag unterschrieben, damit keine Informationen das Unternehmen verlassen. Ansonsten hätte Krüger das Unternehmen auch nicht übernommen, da er sich vor diesem großen Schritt bestmöglich absichern wollte. 

Schließlich führte Sebastian Krüger vor allem digitale Änderungen am Unternehmen durch und verbesserte die interne Kommunikation. So wurde beispielsweise auf eine digitale und mobile Zeiterfassung umgestellt. Die notwendigen Investitionen spielten bei der Preisfindung jedoch keine Rolle. Krüger meint, jeder führe ein Unternehmen nun mal anders. Und es ist immer anzunehmen, dass in das neue Unternehmen investiert werden muss.

Tipps vom Unternehmer für Unternehmer

Der erfolgreiche Nachfolger hat sowohl einen Tipp für Nachfolger als auch für Unternehmer, die sich mit der Nachfolge beschäftigen:

Nachfolger Tipp: Sicher sein, ob die Firma wirklich zu einem passt und ob der wesentliche Grundstein für die Unternehmensfortführung schon gelegt ist.

Unternehmer Tipp: Möglichst an realistische Preise denken, auch ein Nachfolger verfügt nicht über immens viel Geld.

Besonders schwierig kann heutzutage auch die Finanzierung sein, denn die Bank muss zunächst einmal von dem Vorhaben überzeugt werden. Hier kann es helfen, viel mit der Bank zu reden und Dinge wie Investitionsstau und Prognosen zu erläutern. Hier sollte auf jeden Fall ein genauer Plan erstellt werden. 

Auch sehr hilfreich können Softwares wie WinWorker sein, da man so auf täglicher Basis die Geschäftszahlen sehen kann. So ist es Unternehmern möglich, schnell zu handeln und nicht erst von den Zahlen zu erfahren, wenn es bereits zu spät ist.

Besonders an dieser Nachfolge: Der Altunternehmer hatte das Recht, die Firma zurückzukaufen, sollten bestimmte Bedingungen oder Zahlungen nicht erfüllt werden. Auch diese Klausel kann bei den Verhandlungen mit Bank und Alteigentümer helfen.