Episode #019: Nachfolger Ronald Köbe drängt zur Unternehmenskommunikation

Christian Rommel
31. März 2020
Unternehmenskommunikation - Unternehmer Radio
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Ronald Köbe ist ein Vorzeige-Nachfolger, der heute reflektierend auf seine Schritte zurückblickt. Im Rahmen einer familieninternen Nachfolge hat er die Steuerberater Kanzlei seines Vaters übernommen und diese weiter ausgebaut. Besonders wichtig war ihm dabei die direkte und offene Kommunikation. Im Interview nennt er seine Gründe und berichtet von Fällen seiner Mandanten, bei denen eben diese gefehlt hat.

Vorstellung des Interviewgasts

Roland Köbe hat BWL und Soziologie studiert, bevor er eine Zeit lang bei seinem Vater in der Steuerberatungskanzlei mitarbeitete, bis er selber seinen Steuerberater-Titel erlangt hat. Inzwischen hat Roland Köbe die Kanzlei übernommen und die Mitarbeiteranzahl ist von vier auf zehn Mitarbeiter gestiegen. 

Der Notfall tritt ein und es kommt zur plötzlichen Übernahme – hilft die Vorbereitung?

Je länger für eine Übernahme geplant wird, desto reibungsloser kann diese am Ende erfolgen. So können alle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden und der Nachfolger kann langsam in das Tagesgeschäft einsteigen. Im Falle von Familie Köbe verstarb der Senior leider bereits ein Jahr nach der Übernahme, dennoch konnten Vater und Sohn vorher schon 10 Jahre zusammen arbeiten.

Herr Köbe verstehe nicht, wenn sich Leute nicht mit dem Thema eines plötzlichen Todes beschäftigen, weshalb er sich deutlich für eine notwendige Unternehmenskommunikation ausspricht. So sollten Angelegenheiten wie Erbschaft und ein Testament immer offen besprochen werden.

Denn er selbst kenne Fälle, in denen Vorkehrungen nicht rechtzeitig getroffen wurden. Diese Situationen führen hinterher nur zu Problemen. 

So ging es mit der Verantwortungsübernahme weiter

Das Wichtigste sei, dass die Mitarbeiter zu dem Nachfolger halten. In diesem speziellen Fall gab es dort keine Schwierigkeiten, da die Mitarbeiter Ronald Köbe bereits seit 10 Jahren kannten. So konnte er sich auf die Zusammenarbeit der bestehenden Mitarbeiter verlassen.

Des Weiteren seien die Mandate oder Kunden sehr wichtig. Auch diese sollten den Nachfolger bereits kennen. Hier sollten Alt- und Neuunternehmer je nach Möglichkeit zusammenarbeiten, indem man Neuunternehmer und Kunden gegenseitig vorstellt. So zeigt der Altunternehmer, dass man dem Nachfolger trauen kann. 

Zunächst wollte Ronald Köbe die Kontinuität für den Einstieg bewahren, da diese den Kunden sehr wichtig ist. Erst nach ungefähr zwei Jahren begann Köbe bestimmte Strukturen weiter auszubauen. Dies kann je nach Branche jedoch variieren. 

Obwohl Ronald Köbe zurückblickend teilweise etwas erschrocken war, was manche Änderungen auslösen können, würde er seiner offenen Unternehmenskommunikation erneut treu bleiben. Auch wenn dies Konsequenzen mit sich bringen kann.

Zwar gehe nicht immer alles glatt, doch die Betriebsübernahme sei “learning by doing”.

Mangel an Unternehmenskommunikation 

Während seiner Zeit als Berater im Bereich der Vermögensübergabe, Testament-Beratung und Unternehmensübergabe habe Herr Köbe festgestellt, dass es oftmals nicht über die Erwartungshaltungen beim Verkäufer und Käufer gesprochen werden. Wenn man diese Erwartungshaltungen jedoch anspricht, könne man das Eis brechen und den Weg zu einem guten Gespräch ebnen. 

Die Kommunikation sei das größte Problem, denn wenn nicht über Erwartungen gesprochen wird, dann können diese auch nicht erfüllt werden. Dieser Mangel an Unternehmenskommunikation kann insbesondere familieninterne Nachfolgen beeinflussen.

Köbe gibt den Tipp, sich möglichst einen Dritten dazu zu holen, der in Gesprächen als Mediator agiert. Alleine wird man in Rollenmuster verfallen, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten bestehen. Zudem ist er der Meinung, vor einer familieninternen Nachfolge in andere Unternehmen reinzuschnuppern, sei stets vorteilhaft.

Auch auf die Frage “Wer tritt die Nachfolge an, wenn mehrere Unternehmerkinder existent sind?” gibt Ronald Köbe die Antwort, dass hier kommuniziert werden muss. Hier muss geschaut werden, wer wirklich an der Übernahme interessiert sei und wer sich am besten eigne. Außerdem muss auch über Neid und andere Gefühle geredet werden, die sich eventuell entwickeln. 

Welche Themenfelder der Steuerberatung greifen wirklich bei der Nachfolge?

Zunächst sei auf die Erbschafts- und Schenkungssteuer zu achten. Wenn in Deutschland Vermögen übergeben wird, wird dies häufig besteuert. Seit einigen Jahren gibt es die Diskussion, wie die Vererbung von Betriebsvermögen eventuell freigestellt wird, damit der Übergang reibungsloser funktionieren kann. Hier gibt es jedoch recht gute Gestaltungsmöglichkeiten durch Freibeträge, wodurch bei den meisten Übergaben keine Steuerlasten anfallen. 

Ansonsten ist auch eine Frage, ob eventuell die Rechtsform geändert wird. Gerade bei der Übergabe können Fragen wie “stimmt die Rechtsform?” oder “stimmt die Form der Haftung?” einfacher beantwortet werden. 

Bei der externen Nachfolge gibt es einen Kaufpreis, weshalb es keine Schenkung oder Erbschaftsantei gibt. Aus diesem Grund gelten andere steuerliche Richtlinien. 

Steuerliche Faktoren bei der Unternehmensbewertung gibt es nicht unbedingt. Aber die Frage, was ein Unternehmen wert ist, ist sehr spannend, da der Verkäufer eine andere Perspektive teilt, wie der Käufer. 

Ronald Köbe gibt Tipps für den Unternehmer, der vor der Nachfolge steht: Besonders wichtig sei es, einen Zeitplan zu erstellen und die Antwort auf die Frage „Wäre mein Unternehmen ohne mich überlebensfähig?“ zu finden.

Worauf sollte ein Nachfolger besonders achten?

Erstens sollten Nachfolger darauf achten, dass ein Unternehmen nicht von einer einzigen Person abhängig ist und zweitens sollte darauf geachtet werden, dass der Verkäufer die Übergabe mitgestalten möchte. Dies lässt sich daran erkennen, wie der Verkäufer mit der Übergabe umgeht, welche Fehler er dem Unternehmen selber eingesteht und wie er das Unternehmen verändern würde.

Es sollte auf keinen Fall eine Blackbox gekauft werden, nur weil das Unternehmen in den letzten Jahren gute Renditen erwirtschaftet hat. 

Die Nachfolge solle laut Ronald Köbe als tolle Herausforderung angesehen werden, auch wenn diese einem gewissen Aufwand gegenübersteht.

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