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Unternehmensfinanzierung: Welche Möglichkeiten zur Beschaffung von Kapital gibt es?

Letzte Aktualisierung des Artikels am 23. September 2021 von Rainer Ammon

Unternehmensfinanzierung: Zeitpunkt und Arten der Finanzierung

Die meisten Unternehmen benötigen früher oder später eine externe Finanzierung. Unternehmensfinanzierung umfasst alle Möglichkeiten zur Gestaltung der Mittelherkunft im Unternehmen. In der Regel wird zwischen verschiedene Eigenkapital-, Fremdkapital- und Mezzaninekapitalfinanzierung unterschieden.

Je nach Finanzierungsart ergibt sich aus Sicht des Kapitalgebers ein unterschiedliches Risiko und damit aus Sicht des Kapitalgebers unterschiedliche Finanzierungskosten und unterschiedliche Mitbestimmungsrechte seitens der Kapitalgeber. Nicht jeder Kapitalgeber möchte mit dem Unternehmer von der Haftung gleichgestellt sein, da sich die Risikoneigung und das Wissen um die Erfolgschancen des Unternehmens unterscheiden. Die finanzierende Seite hat oftmals einen Informationsnachteil und versucht durch geschickte Finanzierungsverträge Fehlanreize auf Management / Unternehmerseite zu reduzieren.

 

Eigenkapital: Junge und wachstumsstarke Unternehmen profitieren von Einbindung in Netzwerk und Expertise

Je stärker die Finanzierung Eigenkapitalcharakter aufweist, desto höher ist tendenziell die geforderte Rendite seitens der Kapitalgeber in der Unternehmensfinanzierung. Der Grund liegt darin, dass der Eigenkapitalgeber Bezieher des Residualeinkommens ist, d.h. die Rückzahlung seiner Investition findet erst statt, nachdem die (Rückzahlungs-)Ansprüche aller anderen Kapitalgeber bereits bedient worden sind. Auf Grund der starken Haftung des Eigenkapitalgebers wird dieser sich Mitspracherechte in Bezug auf die Unternehmensführung und -strategie einräumen lassen. Häufig kennt sich der Investor in einem solchen Fall ähnlich gut aus mit der Technologie, dem operativen Geschäft und der Wettbewerbssituation wie der Unternehmer selbst; in jedem Fall sind die Informationen weniger assymetrisch verteilt als bei einer reinen Kreditbeziehung, wo der Kreditgeber als letztes haftet und dadurch über ein gewisses Sicherheitspolster in Bezug auf eine unternehmerische Underperformance verfügt. Darüber hinaus gilt: Wer bezahlt und haftet, gibt den Ton an oder möchte wenigstens in bestimmten Bereichen Einfluss auf die Strategie des Geschäfts nehmen. Dies gilt insbesondere Kapitalgeber aus dem Bereich des Venture Capital (Wagniskapital / Unternehmens-Frühfinanzierung), aber auch in vielen Fällen bei Private Equity Fonds, die beherrschende Unternehmensbeteiligungen anstreben. Von einem solchen Investoreneinfluss kann ein Unternehmen natürlich auch profitieren, da die Kapitalgeber im Idealfall über Branchenwissen verfügen und ihre Ideen von Trends weitergeben können. Die Zielsetzung von Kapitalgeber und Unternehmer stimmt stärker überein als im Fall einer Bankfinanzierung, wo die Bank vom Upside, also einer stark positiven Entwicklung des Unternehmens, auf Grund des vereinbarten fixen Zinssatzes nur in engen Grenzen profitiert.

Beteiligungsfinanzierung – Vor- und Nachteile in der Übersicht

  • Kontrolle muss teilweise abgegeben werden (-)
  • Verwässerung der Anteile bei guter Geschäftslage – Split des Unternehmensgewinns (-)
  • Puffer für schlechte Zeiten (+)
  • Geeignet für junge Unternehmen / Startups
  • Aufwändige Unterlagenbereitstellung und Diskussion über die Validität des Businessplans – Feedback erfahrener Investoren zum Geschäftsmodell und -planung (+/-)
  • Häufig beratende Funktion in Bezug auf die Unternehmensstrategie, Abstimmung notwendig (+/-)
  • Auch für volatile Geschäftsentwicklung verfügbar bei positiven Zukunftsaussichten (-)
  • Tendenziell gleichgerichtete Ziele zwischen Unternehmer und Invstor
  • Experten-Netzwerkes /Wissen für operative und strategische Frage der Unternehmensführung (+)
  • Variabler Cash Flow durch Zins und Tilgung abhängig von Investitionsmöglichkeiten und temporären Schwankungen der Geschäftslage (+) 
  • Flexibilität der Rückzahlungen (+)

Fremdkapital: Unternehmensfinanzierung für in der Vergangenheit nachweislich erfolgreiche Unternehmen  

Im Gegensatz zur Beteiligungsfinanzierung wird bei einer Fremdfinanzierung häufig eine Bank eingeschaltet, die zum einen im Vergleich zum Eigenkapitalgeber eine geringere, in der Regel fixe (erfolgsunabhänige) Verzinsung fordert und die zum anderen nur dann über Mitspracherechte in Bezug auf die Unternehmensstrategie verfügt, wenn Covenants (d.h. Zielvereinbarung für Finanzkennzahlen des Unternehmens) nicht erfüllt werden. Solange also Sicherheiten in ausreichendem Maße vorhanden sind und die Ertragslage des Unternehmens stabil und zufriedenstellend ist, ist es häufig günstiger über eine Bankfinanzierung den Kapitalbedarf zu decken.  Dies hängt aber im Einzelfall auch stark von den Wachstumsperspektiven des Unternehmens ab: start-ups und schnell wachsende Unternehmen werden auf Grund mangelnder Sicherheiten auf Investoren zurückgreifen, die sich mit Geschäftsmodell und der Branche des Unternehmens bereits vertiefend beschäftigt haben und somit in der Lage sind, die wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens langfristig einschätzen zu können. Im einzelnen existieren sehr unterschiedliche Arten der Ausgestaltung von Fremdkapital, z.B. Darlehen mit unterschiedlichen Haftungs- und Tilgungsprioritäten (junior debt, Nachrangdarlehen, d.h. Darlehen mit Rangrücktritt, aber auch besser besicherte Senior Darlehen, die bei Liquidation zuerst bedient werden.

Bankenfinanzierung – Vor- und Nachteile in der Übersicht 

  • Kontrolle bleibt beim Unternehmer (+)
  • Günstige Zinssätze bei guter Bonität (+)
  • Basierend auf Unternehmenskennzahlen / Historie (+/-)
  • Ungeeignet für junge Unternehmen / Startups; ohne Geschäftshistorie in der Regel kein Kredit (-)  
  • Aufwändige Unterlagenbereitstellung (-)
  • Keine beratende Funktion in Bezug auf die Unternehmensstrategie (-)
  • Stabile Geschäftsentwicklung aus Bankensicht wichtiger als Maximierung des Erwartungswertes (-)
  • Kein zur Verfügung Stellen eines Experten-Netzwerkes für operative und strategische Frage der Unternehmensführung (-)
  • Fixer Cash Outflow durch Zins und Tilgung unabhängig von Investitionsmöglichkeiten und temporären Schwankungen der Geschäftslage (-)

Mezzaninkapital  / Mischkapital: das beste aus beiden Welten wird kombiniert

Die Mezzanine Finanzierung schlägt schließlich die Brücke zwischen Eigenkapital und Fremdkapital und enthält dementsprechend variable (erfolgsabhängige) sowie fixe Verzinsungsbestandteile. Entsprechende Finanzierung können wenigstens teilweise häufig in Eigenkapital umgewandelt werden. In allen drei Fällen der Finanzierung wird seitens der Investoren eine Due Dilligence Prüfung des Unternehmens durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Stärken und Schwächen des Unternehmens; der Investor versucht also, basierend auf Buchhaltungsunterlagen und anderen Informationsquellen sich einen Überblick über die Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens zu verschaffen (vergleichbar mit einem Schufa-Credit Scoring bei Privatpersonen). Die damit einhergehende Arbeit zur Erstellung der benötigten Unterlagen sollte nicht unterschätzt werden und hängt davon ab, wie gut das Zahlenwerk in der Vergangenheit bereits vom Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder ähnlichen Akteuren aufbereitet wurde.

Mezzaninfinanzierung – Vor- und Nachteile in der Übersicht  

  • Kontrolle bleibt überwiegend beim Unternehmer – möglicherweise eine Verschiebung der Eigenkapital-Stimmrechte nach Ziehen der vertraglich festgelegten Umwandlungsoption (+/-) 
  • Fördermittel oftmals möglich (Gründungzuschuss, KfW Förderdarlehen)
  • Im Fall einer günstigen Geschäftsentwicklung geringer Zinsaufwand als bei reinem Eigenkapital (+)
  • Basierend auf Unternehmenskennzahlen / Historie und Businessplan (+/-) 
  • Geeignet für junge Unternehmen / Startups, da Kapitalgeber bei ungünstiger Geschäftsentwicklung als nachrangig nach dem Eigenkapital haftet – reduziert daher die Informationsasymmetrie zwischen Unternehmer und Kapitalgeber (+)
  • Aufwändige Unterlagenbereitstellung (-)
  • Tendenziell ähnliche (gleichgerichtete) Ziele zwischen Unternehmer und Financier (+)
  • Fixer Cash Outflow durch Zins und Tilgung unabhängig von Investitionsmöglichkeiten und temporären Schwankungen der Geschäftslage (-)

Finanzierung – Schritte zur Kapitalbeschaffung 

  1. Situations- und Zielanalyse des Unternehmens
    1. In welchem Maß ist unternehmerisches Wachstum geplant
    2. Wie stark können im Unternehmen generierte Cashflows herangezogen werden, um Wachstum zu finanzieren (Innenfinanzierung)
  2. Innenfinanzierung dem Kapitalbedarf gegenüberstellen. Finanzierungsbedarf auf verschiedene Fristen planen.
  3. Liste von Finanzierungspartnern erstellen und Möglichkeiten sondieren
  4. Eventuell Finanzierungsplattform einschalten (ähnlich wie bei Hypothekenkrediten gibt es Anbieter, die sich auf einen schnellen und flexiblen Zugang zur Finanzierungen von Wachstumsmöglichkeiten spezialisiert haben und diese vermitteln können)
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