Wenn sie ihr Unternehmen verkaufen möchten, sollten sie die Belastung durch Pensionsverpflichtungen genauestens prüfen. Pensionsverpflichtungen ergeben sich aus einer den Mitarbeitern zugesagten betrieblichen Altersvorsorge. Damit diese Zusagen im Renteneintritt bezahlt werden können, werden Rückstellungen gebildet. Die daraus resultierenden Pensionsrückstellungen führen zu einer bilanziellen Belastung im Unternehmen.

Pensionsverpflichtungen beim Unternehmenskauf – Was Sie in dieser Episode lernen werden

  • Woraus ergeben sich Pensionsverpflichtungen?
  • Welche Probleme entstehen beim Unternehmensverkauf?
  • Wie beeinflussen Sie den Kaufpreis?
  • Können Pensionsrückstellungen ausgelagert werden?

 

Die zwei Hauptprobleme, die sich daraus ergeben: Wieviel sind diese Pensionsverpflichtungen tatsächlich wert? Und zweitens, wieviel Kapital muss der Käufer / Investor aufbringen, um diesen Kapitalbedarf zu decken?

 

Dies hat wiederum erheblichen Einfluss auf den Kaufpreis bzw. die grundsätzliche Verkaufschance. Welche Einflussfaktoren Ihren Wunschpreis außerdem beeinflussen können, erfahren sie in der Episode #064 Firmenwert berechnen: 6 Tipps wie Sie Ihre Firma zum Wunschpreis verkaufen – mit Kai Schimmelfeder

 

Zu dieser Problematik der Pensionsrückstellungen haben wir mit Sebastian Uckermann, Geschäftsführer von der Kenston Unternehmensgruppe gesprochen. Im Rahmen der Rechtsberatung zur betrieblichen Altersvorsorge unterstützt die Kenston Unternehmensgruppe Unternehmen aus dem Mittelstand, wie mit Pensionsverpflichtungen umgegangen werden kann und wie sie ggf. ausgelagert werden können.

 

Wie entstehen Pensionsrückstellungen?

Bei Pensionsverpflichtungen handelt es sich um den Kapitalbetrag einer Rente. Wenn sie ihren Mitarbeitern also eine betriebliche Rente zusagen, ergibt sich daraus eine finanzielle Verpflichtung, die in einen Barwert umgerechnet werden kann. Der daraus entstehende Kapitalwert, muss dann nach § 249 HGB in der Bilanz berücksichtigt werden. Sie müssen also Geld beiseite legen, um diesen Verpflichtungen zum fälligen Zeitpunkt nachkommen können. Auf diesem Wege entstehen Pensionsrückstellungen in der Bilanz.

 

Wo entsteht das Problem bei Pensionsverpflichtungen, wenn ich mein Unternehmen verkaufen möchte?

Grundsätzlich muss der über die Jahre angesammelte Kapitalwert, der sich aus Zusage einer betrieblichen Altersvorsorge ergibt, über die zu verkaufende Firma bezahlt werden können. Ein potenzieller Käufer oder Investor ist im Rahmen der Due Diligence sehr vorsichtig, ob dieses Kapital zukünftig zur Verfügung steht. Gleichzeitig bedeutet das, dass der Käufer diese Pensionsverpflichtungen auch erwirbt.

 

Aber wie hoch ist der Wert der Pensionsverpflichtung genau?

Darüber lässt sich streiten – was auch nicht selten im Rahmen der Verkaufsverhandlungen vorkommt. Bei der Berechnung orientiert man sich am aktuellen Marktzins und die statistische Wahrscheinlichkeit eines Versorgungsfalls.

In Deutschland schätzt man den Gesamtwert der Pensionsrückstellungen aller in Deutschland ansässigen Unternehmen auf 700-800 Milliarden Euro.

Ein praktisches Beispiel, laut Uckermann, könnte folgendermaßen aussehen: Gehen wir mal von einem Geschäftsführer einer kleinen GmbH aus, der eine Pension von durchschnittlich 3.000 Euro im Monat zugesagt bekommen hat. Mit einem Austrittsalter von 65 Jahren ergibt sich dann schnell eine Rückstellung zwischen 500.000 bis 700.000 Euro.

Im Normalfall bekommen sie jedoch einmal im Jahr ein mathematisches Gutachten ihres Anbieters. Diesen mathematischen Wert können sie als Richtwert nehmen. Der genaue Marktwert muss aber entsprechend der aktuellen Zinslage errechnet werden.

Warum wird das Rating meiner Firma durch Pensionsrückstellungen negativ beeinflusst?

Wie wir im obigen Beispiel gesehen haben, können Pensionsrückstellungen in mittelständischen Unternehmen bei diesen Summen schnell zum größten Bilanzposten im Unternehmen werden, so Uckermann.

Dazu muss man wissen, dass die gebildeten Rückstellungen bilanziell dem Fremdkapital zugeordnet werden. In Folge dessen erhöht die Rückstellungen das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital erheblich. Die Eigenkapitalquote sinkt. Diese stellt jedoch den wichtigsten Faktor im Bilanzrating dar.

Eigenkapitalquote = wirtschaftliches Eigenkapital x 100 / Bilanzsumme

Richtwerte:
>25% sehr gut bis gut
10-25% mittel
<10% ungünstig

Ein gutes Rating ist beim Unternehmensverkauf allerdings sehr von Vorteil. Ein Rating gibt Auskunft über die Bonität einer Firma. Hat diese eine schlechte Bonität, ergibt sich daraus ein höherer Finanzierungszinssatzes für den Käufer. Zu der Belastung durch die Rückstellung, kommt dann eine höherer Finanzierungszinssatzes hinzu.

 

Kann ich Pensionsverpflichtungen für den Unternehmensverkauf auslagern?

Der Gedanke diesen großen Fremdkapital-Posten aus der Bilanz zu bekommen liegt also nahe. Es lassen sich Pensionsverpflichtungen beim Unternehmenskauf in Form eines Durchführungswechsels auf einen externen Dritten übertragen. Somit kann also ein Dritter diese Verpflichtung übernehmen. Als praktisches Beispiel: Wenn die Verpflichtung mit 1 Mio. bilanziert ist, könnte z.B. ein externer Versorgungsträger die Verpflichtung für 750.000 Euro übernehmen. Damit wäre das Unternehmen und die Bilanz erleichtert.

Wohingegen die Auslagerung an eine Versicherung kaum noch in Frage kommt. Für Versicherungen, die im Festverzinsungsbereich anlegen, ergibt sich bei Auslagerung ein viel höherer Auslagerungswert. So müsste das Unternehmen die Rückstellungen für einen viel höheren als dem tatsächlichem Bilanzwert auslagern.

Wie die Auslagerung im einzelnen über einen externen Dritten genau funktionieren kann, sollten sie mit einem fähigen Berater für sich erarbeiten. Hier Bedarf es intensivster Beratung und einen geeigneten Partner.

Die gute Nachricht: Sollten Sie spät dran sein und der Verkauf ihres Unternehmens direkt bevorstehen, dann kann die Transaktion der Pensionsverpflichtung an einem Tag durchgeführt werden. Wer jedoch Kosten sparen möchte, sollte dieses Thema lieber früher statt später angehen.

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