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Episode #005: Die erfolgreiche Unternehmensübergabe eines Kleinbetriebes

Letzte Aktualisierung des Artikels am 3. August 2022 von Lars

Werner Lehnerts Erfindergeist ist so stark, dass Lehnert aus seiner Leidenschaft für elektronischen Modellbau und Solartechnik ein Unternehmen gegründet hat. Anfangs noch nebenberuflich, hat er vielfältige Produkte erfunden und Bücher darüber geschrieben. Angeboten hat er alles in seinem Online-Shop, zu einer Zeit, als E-Commerce noch die Ausnahme war. Nach etwa 25 Jahren folgte eine ganz leichte Unternehmensübergabe und bis heute erfindet Herr Lehnert neue Produkte für den Shop.

Die Unternehmensgeschichte

Willkommen, Herr Lehnert. Wie hat sich denn Lemo-Solar zum Unternehmen ausgewachsen?

Ich bin leidenschaftlicher Erfinder und habe verschiedene Dinge für den Modellbau entwickelt und darüber auch Bücher geschrieben. Verschiedene Bauteile, die es auf dem Markt nicht gab, habe ich dann patentiert und selbst vertrieben. Irgendwann wurden die Produkte so stark nachgefragt, dass ich neben meiner Anstellung alle Freizeit und selbst den Urlaub in die Entwicklung gesteckt habe, an dem Punkt habe ich mich selbstständig gemacht. 

Sie haben also aus Ihrer Leidenschaft heraus Ihre Unternehmung gegründet.

Genau. Und vor allem ich habe dann Techniken gesucht und gewählt, die es nicht gab. Das macht heute noch den Erfolg aus. Ich habe viele Erfindungen umgesetzt als Produkte in der Firma, die es woanders einfach nicht zu kaufen gibt. Dieses Alleinstellungsmerkmal habe ich heute noch und das trägt auch immer noch zum Erfolg bei. 

Ja, Leidenschaft ist immer noch ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wie hat sich die Firma denn über die Jahre entwickelt?

Wir haben den Namen angemeldet beim Patentamt und dann haben meine Frau und ich direkt den Versandhandel aufgebaut. Parallel dazu sind wir in den ersten Jahren  meistens auf fünf Modellbau-Messen gefahren, haben Kataloge gedruckt und verteilt und wochenends sowie in meiner Freizeit habe ich weiter gebaut und bin auf Kunden zugegangen, um herauszufinden, was ihnen fehlte. Die brauchten z.B. einen Antrieb für ein Modell und es gab keinen passenden. Ich habe ihnen dann innerhalb von zehn Minuten vorgeschlagen, welcher Antrieb reinkommt. So sind wir auch in Kontakt gekommen mit dem namhaften Hersteller Faulhaber. Das sind Präzisionsmotoren und Getriebe. Ich habe dann auch für die Messen Demonstrations-Modelle gebaut, wo man verschiedene Motor-Getriebe-Kombinationen hat laufen sehen, da waren die Kunden fasziniert. Innerhalb von drei Jahren standen die Kunden dann Schlange auf unserem Messestand. Dann haben wir auf der Messe Sinsheim auch einen Schultag gehabt, wo am ersten Messetag Klassen eingeladen waren. Mit denen haben wir Solarzellen gelötet, dann einen Motor angeschlossen und mit LED experimentiert. Diese LED-Versuche an Solarzellen durften die Schüler dann auch mitnehmen.

Sie sagten gerade, dass Sie sehr früh einen Online-Shop eröffnet haben. Wie kam es dazu, dass Sie so früh auf die Digitalisierung gesetzt haben?

Das kam durch einen Kunden, der mich angerufen hat. Ich habe durch einen Messebesuch jemanden kennengelernt, der mit Computertechnik gehandelt hat. Der hatte mir seine eigene Online-Shop-Technik angeboten und mit der läuft der Online-Shop bis heute.

Vorlagen-Paket für den Unternehmensverkauf

Vorschaubild von Vorlagen zum Unternehmensverkauf

7 Verkaufsvorlagen:

  1. Due Diligence Checkliste (PDF)
  2. Finance Report (Excel)
  3. Firmen-Exposé (Word)
  4. NDA-Vertrag (Word)
  5. Firmen-Inserat (Word)
  6. Letter of Intent (Word)
  7. Vorgehensplan (PDF)

Hinweis: Es kann bei T-Online Emailadressen zu Registrierungsproblemen kommen.


Unternehmensübergabe in acht Monaten

Beschreiben Sie uns doch bitte kurz den Aha-Moment, als Ihnen klar wurde, dass Sie verkaufen wollen.

Der Aha-Moment kam durch die IHK Heilbronn, die hatten ein Projekt, “Nexxt Change”. Ich habe dort angerufen, und gefragt, ob es Beratung für den Unternehmensverkauf gibt, und das gab es. Ich war froh, dass ich nun Hilfe vom Profi hatte und es nicht allein machen musste.

Was war denn der schwierigste Teil der Unternehmensübergabe für Sie?

Das war der Berater vom Käufer. Ein Mensch, der von Technik keine Ahnung hatte und Ideen in den Vertrag einbringen wollte, die für den Betrieb gar nicht passten. Ich habe dann gesagt, ich verhandle nur noch weiter, wenn er nicht mehr dabei ist. Herr Link hat dann auch eingesehen, dass es mit seinem Berater so nicht weitergeht.

Den neuen Berater haben Sie gemeinsam beauftragt, eher in einer Vermittlungsrolle. 

Ja, genau. Und der hatte dann zusätzlich zur Beratungserfahrung auch ein technisches Verständnis. Das war sehr wichtig für mich. 

Es war dann im Wesentlichen die Marke, die Sie verkauft haben, oder?

Ja, genau. Wenn man eine Firma verkauft, müssen mehrere Dinge zusammenpassen. Erstens kann man keine Firma verkaufen, die schlechte Produkte hat. Zweitens kann man keine Firma verkaufen, die wirtschaftlich unrentabel ist. Drittens muss Leidenschaft dahinter stecken. Auch die Bücher und der ermittelte Wert aus der Unternehmensbewertung müssen stimmen. Da kommen viele Faktoren zusammen, und das hat alles gepasst. Der Grund, warum ich die Firma verkauft habe ist, dass ich mich Richtung Rentenalter bewegt habe und die letzten Jahre zu wenig Zeit blieb zum Erfinden und Basteln. In den Schubladen in der Werkstatt waren überall Projekte, die ich angefangen habe, aber nicht beenden konnte. Und dann habe ich mich mit meiner Frau zusammengesetzt und habe gesagt: Wollen wir so weitermachen oder wollen wir uns vergrößern? Wollen wir ein Grundstück kaufen, eine Halle bauen, Leute einstellen oder die Firma verkaufen? Wir haben uns entschieden, zu verkaufen. Wir haben es probiert und es hat sehr gut geklappt. Ich habe es bis heute nicht bereut.

Sie haben ja erzählt, Sie haben zwei Söhne. War das auch mal eine Idee, dass Ihre Söhne die Firma vielleicht übernehmen könnten?

Unsere Söhne sind schon vorher eigene Wege gegangen. Was für meine Frau und mich aus finanzieller Sicht gut war, sonst hätten wir den anderen Sohn ggf. auszahlen müssen. Und so haben wir jetzt von der Kaufsumme auch ein Polster für die Zukunft.

Und wie lange haben Sie gebraucht, bis Sie Herrn Link gefunden haben? 

Herr Link hat eine Anzeige gelesen im Internet bei der IHK, dass eine Firma zu verkaufen ist. Er hat mich auch kontaktiert. Ich habe dann aber gesagt, weil ich verschiedene Projekte für die Schulen hatte, dass ich es noch ein bisschen verschiebe und mich melde, sobald ich bereit bin. Das hat dann noch ein Jahr gedauert. Ich habe noch einige Projekte umgesetzt und dann habe ich ihn angerufen. 

Wie lange hat denn die Unternehmensübergabe bei Ihnen insgesamt gedauert?

Wir haben im Januar das erste Gespräch gehabt und daraufhin hat mich Herr Link auch gleich besucht. Die Unternehmensübergabe war im August. Es ging relativ flott.

So läuft es nach der Unternehmensübergabe

Wie ist denn Ihre Rollen jetzt nach der Unternehmensübergabe bei Lemo-Solar?

Wir haben in den Vertrag reingenommen, dass ich weiterhin für die Firma Lemo-Solar als Berater, als Entwickler und als Erfinder tätig bin. Mir liegt daran, dass die Firma weiterhin existiert und vor allem, dass der Käufer, Herr Link, auch zufrieden ist mit den Umsätzen. Wir treffen uns zurzeit zweimal die Woche und wir tauschen uns auch aus, wenn ich eine neue Idee habe. Ich habe erst heute eine neue Idee eingebracht. Es wird wieder ein neues Produkt geben für die Schulen. Und so soll die Zusammenarbeit auch weitergehen.

War das dann für Sie ein emotionales Thema, dieser Verkauf oder haben Sie das doch sehr rational betrachtet?

Emotional war es nicht so, weil ich ja jeden Tag sehe, dass die Firma existiert. Es wäre emotional gewesen, wenn es schiefgegangen wäre und die Firma nicht mehr existieren würde. Das wäre für mich schon eine emotionale Belastung gewesen.

Wie hat sich denn Ihr Leben nach dem Verkauf Ihrer Firma verändert?

Ich hab jetzt den Druck nicht mehr. Man fährt schön entspannt nach Hause aus dem Urlaub und weiß, dass am Montag nichts Dringendes erledigt werden muss. Ich habe auch mehr Zeit für die Enkel und Kinder und für meine Erfindungen und Hobbies. Einfach ein entspannteres Leben.

Welchen Rat würden Sie denn Unternehmern geben, die ebenfalls verkaufen möchten?

Nicht alleine mit dem Kopf durch die Wand gehen, sondern sich jemand suchen als Berater. Solche IHK-Projekte gibt es ja, denke ich, bundesweit. Und den guten Menschenverstand einsetzen bei der Auswahl des Beraters, dann kann eigentlich nichts schiefgehen.

Danke, Herr Lehnert, für das Gespräch! 

 

Hier finden Sie das Gespräch mit dem Nachfolger Rainer Link, der ein zweites Standbein zu seiner Firma wünschte und es in Lemo-Solar gefunden hat.

https://www.unternehmer-radio.de/episode-007-die-erfolgreiche-betriebsuebernahme/