Episode #002: Die Unternehmensnachfolge frühzeitig vorbereiten – Werner Küsters im Interview

Christian Rommel
1. Februar 2020
Unternehmensnachfolge - Unternehmer Radio
Reading Time: 5 minutes

Werner Küsters hat 1980 aus seinem Einzelunternehmen in eine GmbH überführt. Heute setzt der “Gartenhof Küsters” vor allem Großprojekte im Garten- und Landschaftsbau sowie im Sportplatzbau um und hat mittlerweile die Planung an Landschaftsarchitekten ausgelagert. 

Alle drei Kinder haben Landschaftsgärtner gelernt. Eines der Kinder hat auch Betriebswirtschaftslehre studiert und die Unternehmensnachfolge des Betriebs im Jahre 2012 angetreten. Heute hat der Gartenhof 130 Mitarbeiter, mit einem Schwerpunkt als Ausbildungsbetrieb in 15 Berufen. Zusätzlich zu seiner Position als Geschäftsführer war Herr Küsters für acht Jahre Präsident des Bundesverbandes für Garten- und Landschaftsbau

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Die Geschichte des Unternehmers

„Das Unternehmersein ist bei uns Familientradition“, sagt Herr Küsters. Sein Vater war Blumen- und Zierpflanzengärtner und sein Großvater Obst- und Gemüsegärtner, auch alle drei Kinder sind im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus tätig.

Angefangen hat Herr Küsters nach dem Studium mit seinem Studentenauto und dem Werkzeug aus dem offenen Dach ragend. Nach drei Monaten hatte er schon so viel Geld verdient, dass er in ein größeres Auto mit Anhänger investiert hat.

Die erfolgreichste Werbung war seine rheinländische Art, mit der er in Bayern von Anfang an schnell an gute Projekte gekommen ist. Durch die Nachfrage und die Vielfalt der Projekte ist der Betrieb schnell gewachsen.Herr Küsters hat früh erkannt, wie wichtig die Auswahl der Mitarbeiter ist. 

Um sich im Ehrenamt zu engagieren, hat er früh auf verantwortungsbewusste Mitarbeiter gesetzt und Aufgaben delegiert. Für ihn steht auch heute noch die soziale Verantwortung über der persönlichen, und für ihn war es klar, dass er auch auf die Mitarbeiter angewiesen ist. 

Hier das Interview mit Hr. Küsters zum Hören für Sie:

„Das Geschäft muss auch ohne den Inhaber weiterlaufen“

Ein gewisses Loslassen war immer möglich und auch notwendig, denn wer nichts für andere tut, tut nichts für sich, so Küsters. Herr Küsters wusste immer, was los war, da er immer Teil der wichtigsten Aufgaben wie Auftragsverhandlungen war, jedoch sollten seine Mitarbeiter mit der Zeit immer mehr Verantwortung für den Betrieb übernommen. 

Herr Küsters empfiehlt, sich selbst im Betrieb nicht zu wichtig zu nehmen und sagt, dass das Geschäft auch ohne den Inhaber weiterlaufen muss, falls es zu einem unvorhersehbaren Ausfall des Unternehmers kommen sollte. Auch die Bank hat dies als risikomildernd eingeschätzt.

Er hat schon sehr früh darauf hingearbeitet, dass er nicht “Motor und Getriebe ist”, sodass weder seine Familie noch seine Mitarbeiter von ihm abhängig sind. Gleichzeitig muss in einem Familienunternehmen immer einer in der Nähe sein, der den Betrieb weiterführen kann, wenn mal was ist, denn Unternehmen, die von ihrer Leitung abhängig sind, bergen ein großes Risiko, gerade bei der Nachfolge. 

Herr Küsters sieht das Unternehmertum als Vorsorge sowohl für seine Familie als auch für seine Mitarbeiter. Aus seiner Perspektive gilt das branchenübergreifend. Die soziale Verantwortung ist gleichzeitig auch die Versicherung für den Fall einer Berufsunfähigkeit, so ist die Versorgung aus der eigenen Firma sichergestellt. 

Unternehmensnachfolge trotz Rekordtief an Nachfolgern kein Problem

In Anbetracht des Mangels an Nachfolgern hatte Herr Küsters traumhafte Bedingungen, da alle drei Kinder entsprechend ausgebildet waren und übernehmen wollten. Wichtig war hier, auch in der Familie über die Erfolge der Firma zu sprechen, sodass die Kinder neugierig auf das Unternehmen sind und nicht nur die Probleme mitbekommen. 

Der älteste Sohn war wenig an der Übernahme interessiert, auch durch langfristige Auslandsaufenthalte. Nach Wunsch des Inhabers hätten Tochter und Sohn gemeinsam den Betrieb weitergeführt.

Die Tochter hatte sich jedoch als Hausgartenspezialistin mit eigener Planung positioniert, während sich der Gartenhof in einen Großprojektbetrieb weiterentwickelt hat. Benjamin, der den Betrieb mittlerweile übernommen hat, hat nach seiner Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer Wirtschaftswissenschaften studiert und sich so als perfekter Nachfolger herauskristallisiert. 

Zwar sei es als Vater herausfordernd gewesen, sich von dem ursprünglichen Wunsch einer „Doppelspitze“ zu verabschieden, heute läuft der Betrieb aber sehr gut und auch die Tochter ist in ihrem Segment erfolgreich. Auch nach dem Einsteigen des Sohnes in das Unternehmen war Herr Küsters noch tätig und die beiden haben sich in Ihren Arbeiten gegenseitig unterstützt. 

Die Planung des Übergabeprozesses ging eigentlich los, als die Kinder kamen

Herr Küsters hatte zwar viele Landschaftsgärtner in seinem Betrieb, davon kannten sich aber nur wenige mit der Wirtschaft aus, da sie keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund hatten. Das Glück war, dass ein BWLer in der Familie war, der die Nachfolge antreten wollte.

Dass er an der Nachfolge beteiligt ist, stand schon 2008 fest, obwohl das Studium des Sohnes erst 2009 beendet wurde. 2012 wurden dann die notariellen Verträge abgeschlossen, in denen festgelegt wurde, dass die mehrheitlichen Anteile an den Sohn überschrieben wurden. Die anderen Kinder wurden in Form von Immobilien ausbezahlt, was alles dank guter Beratung sehr gut funktioniert hat. 

Auch die Mitarbeiter sollte man frühzeitig informieren und an dem Prozess beteiligen, damit sie wissen, wie es weitergeht. Einen Familienbetrieb mache schließlich aus, dass auch die Mitarbeiter wie Familienmitglieder im übertragenen Sinne behandelt werden sollten.

Herr Küsters kann sich weniger an schwierige Themen in der Übergabe erinnern. Schwierig war für ihn persönlich, dass seine Tochter den Betrieb verlassen wollte und seine Vorstellungen nicht geteilt hat. Das tat als Vater doch ein wenig weh, da er zu allen Kindern gerecht sein wollte. Außerdem gingen nach der Übergabe zwei gute Bauleiter, die in demselben Bereich arbeiteten, wie seine Tochter. 

Im Großen und Ganzen sind die Küsters sehr zufrieden, denn Vater und Sohn schätzen sich, Mitarbeiter sind von dem Ablauf angetan und die Firma entwickelt sich sehr gut. Es wurden sogar 2,7 Millionen Euro in die Immobilie investiert. Der wichtigste Tipp von Herrn Küsters: „Die Unternehmensnachfolge frühzeitig vorbereiten und in gute Mitarbeiter mit Verantwortungsbewusstsein investieren.“ Außerdem sagt Herr Küsters: 

„Aus diesem Zulassen von Entwicklung und von Verantwortungsübernahme kommen dann auch Leute dabei heraus, die für die Nachfolge geeignet sein können. Ist ja nicht immer so, dass die eigenen Kinder bestens geeignet sind. Es können auch gute Mitarbeiter gut geeignet sein.“

Man habe selber den Profit davon, ein Unternehmen für die Nachfolge so vorzubereiten und auszustatten, sodass der Nachfolger auch in der Lage ist, den Betrieb zu übernehmen, um anschließend das notwendige Kapital für den Kaufpreis aufzubringen.

 

Die Vorbereitung der Unternehmensnachfolge ist als Investition zu sehen

„Wenn man einen gut laufenden und gut ausgestatteten Betrieb übergibt, sorgt man auch mit für sich selbst. Denn nur so ist der Nachfolger in der Lage, den Unternehmer zu alimentieren oder einen guten Preis zu zahlen“

Spätestens mit 50 sollte man laut Herrn Küsters die Unternehmensnachfolge einleiten, wenn es geht, sogar noch früher. Als Grund nennt er dafür, dass sich auch die Mitarbeiter auf die Nachfolge einstellen können. Wenn man die Unternehmensnachfolge von Anfang an offen kommuniziere, stelle sich auch heraus, welchen Mitarbeitern man vertrauen kann. 

Nach der Übergabe an den Sohn unterstützt Herr Küsters noch hin und wieder bei Auftragsverhandlungen. Seine Menschlichkeit im Gespräch mit potenziellen Kunden ist in manchen Fällen das Zünglein an der Waage. Es gibt aber auch Strukturen, auf die der Senior keine Zugriffe mehr hat. 

Es ist wichtig sich als Unternehmer um die Nachfolge zu kümmern, damit auch der Nachfolger sieht, dass der Alt-Inhaber jemand ist, der sich um das Wohlsein des Betriebes aktiv kümmert. 

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