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Meine insolvente Firma/GmbH verkaufen: Eine Anleitung

Letzte Aktualisierung des Artikels am 16. März 2021 von Danilo Manca

insolvente firmaEine Insolvente Firma verkaufen – geht das eigentlich? Ja, das geht! Zumindest solange Vermögen vorhanden ist, wie Maschinen, Immobilien, Patente usw. Wie das genau funktioniert, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Immer mehr Firmeninhaber müssen Insolvenz anmelden. Oftmals passiert dies jedoch viel zu spät. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht ergab, dass 98 % der Insolvenzanträge erst ein Jahr nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit eingereicht werden. Hauptgründe sind die Hoffnung auf Besserung der betrieblichen Schieflage, eine Fehleinschätzung der Situation und die Angst vor Bloßstellung.

Andere Unternehmer bevorzugen es die insolvente Firma zu verkaufen, über eine sogenannte übertragende Sanierung. Wie Sie eine insolvente Firma verkaufen, erfahren Sie hier.

 

Was versteht man unter Insolvenz?

Zunächst wollen wir jedoch klären, wann der Fall einer Insolvenz eintritt. Ein Unternehmen ist insolvent, wenn:

– es bereits zahlungsunfähig ist
– ihm die Zahlungsunfähigkeit droht
– es überschuldet ist

Bei einer Zahlungsunfähigkeit kann die Firma laut § 17 Abs. 2 InsO ihren fälligen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und stellt die Zahlungen ein.

Eine Zahlungsunfähigkeit droht, wenn der Unternehmer voraussichtlich nicht mehr imstande ist, seine anstehenden Verbindlichkeiten zu begleichen (§ 18 Abs. 2 InsO).

Von Überschuldung spricht man, wenn die fälligen Verbindlichkeiten durch das vorhandene Vermögen nicht mehr gedeckt werden (§ 19 Abs. 2 InsO).

Als Geschäftsführer haben Sie die Pflicht, ohne schuldhaftes Verzögern innerhalb von drei Wochen nach objektiv gegebener Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung die GmbH insolvent zu melden (§ 15 a Abs. 1 InsO). Tun Sie das jedoch nicht, machen Sie sich der Insolvenzverschleppung schuldig. Was das bedeutet, klären wir weiter unten.

Im Vorfeld sollten Sie jedoch alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, die drohende Zahlungsunfähigkeit der Firma abzuwenden. So könnten Sie beispielsweise als Kapitalgesellschaft Gesellschaftsanteile verkaufen, um damit das Eigenkapital wieder zu erhöhen.

Außerdem können die Gläubiger einen solchen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht stellen.

Wichtig: Leiten Sie dieses Verfahren nicht ein, wenn Sie Ihre insolvente Firma verkaufen möchten. Mehr dazu weiter unten im Text.

 

Lesen Sie auch die Artikel: Wie Sie eine GmbH schnell und einfach liquidieren und GmbH-Anteile verkaufen.

 

Eine insolvente Firma verkaufen (bei drohender Insolvenz)

Ein Insolvenz-Verkauf ist eine hierzulande gern praktizierte Methode, ein nicht mehr zahlungsfähiges Unternehmen abzuwickeln und dadurch den bei einer Insolvenz für den Geschäftsführer bestehenden Haftungsrisiken zu entgehen. Möchten Sie Ihre insolvente Firma verkaufen, beachten Sie dabei aber bitte, dass Sie bei Vorliegen einer Insolvenzverschleppung der Geschäftsführerhaftung nicht entgehen.

Wichtig: Ist Ihre GmbH schon seit längerer Zeit insolvent, konsultieren Sie am besten schnellstmöglich einen Anwalt für Insolvenzrecht und lassen sich von ihm beraten.

 

Anders sieht die Situation bei einer drohenden Insolvenz aus: Sie berufen eine außerordentliche Gesellschafterversammlung ein. Diese beschließt dann den Insolvenz Verkauf an eine Nachfolgegesellschaft. Als Vermittler dieses Rechtsgeschäfts treten spezielle Anbieter auf, die Sie über Internet kontaktieren können. Die Nachfolgegesellschaft liquidiert dann die finanziell angeschlagene Firma. Sie selbst müssen sich nicht mehr mit dem unangenehmen Insolvenzverfahren auseinandersetzen.

Voraussetzung, um eine insolvente Firma verkaufen zu können, ist:

1. dass die Firma noch nicht zur Insolvenz angemeldet ist. Dies gilt auch für mögliche Insolvenzanträge Dritter.

2. dass keine Rückstände bei den Sozialversicherungsträgern bestehen.

Die vom Käufer der insolventen Firma beauftragten Experten prüfen dann die Bilanzen. Möchten Sie Ihre insolvente Firma verkaufen, achten Sie aber bitte darauf, dass die Liquidation von einem seriösen Anbieter durchgeführt wird. Es gibt laut Notarkammer Berlin leider auch schwarze Schafe am Markt, die für eine hohe Geldsumme illegale (Gläubiger schädigende) „Firmenbestattungen“ vornehmen. In einem solchen Fall sind Sie als Geschäftsführer weiterhin voll haftbar.

Insolvente Firma verkaufen: Die Vorteile

Ein Verkauf bei drohender Insolvenz, also wenn das Insolvenzverfahren noch nicht eingeleitet wurde, bietet verglichen mit der Regelinsolvenz einige Vorteile:

  • Ihr guter Ruf als Geschäftsführer und Ihre Bonität bleiben erhalten, weil Sie keine Eidesstattliche Versicherung abgeben müssen, die namentlich in sämtlichen Schuldnerregistern vermerkt ist.
  • Weil die Nachfolgegesellschaft einen eigenen Geschäftsführer bestellt, kann man Sie nicht mehr zur Befriedigung von Schadenersatzansprüchen heranziehen. Auch mögliche strafrechtliche Konsequenzen werden so vermieden.
  • Die Gesellschafter tragen ebenfalls kein Haftungsrisiko.
  • Als Inhaber haben Sie beim Insolvenz-Verkauf die Möglichkeit zu bestimmen, dass die Nachfolgegesellschaft ihren Geschäftssitz und/oder den Firmennamen ändert. Auf diese Weise ist die Transaktion hundertprozentig diskret. Sogar eine Änderung der Rechtsform ist infolge neuer EU-Regelungen möglich.

Sollte der Verkauf nicht möglich sein, bleibt der Weg der Regelinsolvenz. Auf diesen Weg, gehen wir im nachfolgenden Kapitel genauer ein.

Vorlagen-Paket für den Unternehmensverkauf

Vorschaubild von Vorlagen zum Unternehmensverkauf

7 Verkaufsvorlagen:

  1. Due Diligence Checkliste (PDF)
  2. Finance Report (Excel)
  3. Firmen-Exposé (Word)
  4. NDA-Vertrag (Word)
  5. Firmen-Inserat (Word)
  6. Letter of Intent (Word)
  7. Vorgehensplan (PDF)


Die übertragende Sanierung

Eine insolvente Firma verkaufen zu wollen, sprich wenn das Insolvenzverfahren bereits eingeleitet wurde, bezeichnet man als übertragende Sanierung in Form eines Asset Deals. Bei dieser handelt es sich jedoch um keinen herkömmlichen Unternehmensverkauf in der Insolvenz. Der Verkauf wird nach Zustimmung durch die Gläubigerversammlung und unter enormem Zeitdruck vom Insolvenzverwalter durchgeführt.

Ziel ist es, die profitablen Teile Ihrer insolventen Firma zu verkaufen und den Geschäftszweck nach Trennung von den Verbindlichkeiten fortzuführen. Der Insolvenzverwalter ist verpflichtet, das für die Befriedigung der Gläubiger aus der Insolvenzmasse lukrativste und sicherste Kaufangebot zu akzeptieren.

Auch der Erwerber, meist ein Marktkonkurrent, hat sich an einige wichtige Besonderheiten zu halten, die den Asset Deal vom normalen Unternehmenskauf aus der Insolvenz unterscheiden. Er kauft profitable Assets aus dem Anlage- und Umlaufvermögen und überträgt sie auf eine von ihm gegründete Betriebsübernahmegesellschaft oder auf „Auffanggesellschaft“ genannt.

Sämtliche Insolvenzforderungen und Masseverbindlichkeiten werden über das Insolvenzverfahren abgewickelt und können so die Bonität des Erwerbers nicht belasten. Auch die Steuerverbindlichkeiten müssen von ihm nicht übernommen werden. Weil der Erwerber / die Auffanggesellschaft mit dem Insolvenzverwalter vertraglich vereinbart, welche Vertragsverhältnisse Ihrer zahlungsunfähigen Firma fortgeführt werden sollen, ist der Insolvenzverwalter verpflichtet, die restlichen Verträge fristlos zu kündigen.

Der Erwerber kümmert sich um die Übernahme der gewünschten Verträge (Fuhrpark-Leasing, IT-Leasing, Miete) und holt sich dafür die Zustimmung des Vertragspartners ein. Mitunter sind sogar Neuabschlüsse erforderlich. Eine insolvente Firma verkaufen bedeutet außerdem, dass vertragliche Verpflichtung gegenüber Ihrer Mitarbeiter bestehen, den Insolvenzverwalter bei der Geschäftsabwicklung zu unterstützen.

Der Käufer erwirbt Ihre insolvente Firma unter Ausschluss jeglicher Gewährleistungsansprüche in Bezug auf das Anlage- und Umlaufvermögen und auf immaterielle Vermögenswerte. Dies schlägt sich in einem für den Erwerber vorteilhafteren Kaufpreis für die Assets nieder. Er kauft bei diesem Insolvenz Verkauf einzelne Teile des Firmenvermögens oder sämtliche Vermögensgegenstände einzeln. Das sind beispielsweise Grundstücke, Beteiligungen, Maschinen, die Betriebsausstattung, Forderungen aus Lieferung und Leistung, Waren, Halbfertigerzeugnisse, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und nicht bilanzierungsfähige Vermögensgegenstände wie Auftragsbestand und Kundenkontakte. Die bestehenden Arbeitsverhältnisse gehen im Rahmen des Betriebsübergangs ebenfalls auf die neue Gesellschaft über.

Übrigens: Auch die Gesellschafter Ihres insolventen Unternehmens und Sie selbst dürfen sich am Erwerb der Assets beteiligen.

Wie die Insolvenz einer Firma abläuft

Die Firmeninsolvenz (Regelinsolvenz) läuft in mehreren Phasen ab:

Nach der Anmeldung beim Amtsgericht prüft der vom Gericht eingesetzte Insolvenzverwalter, ob einer der genannten Eröffungsgründe vorliegt und es noch genügend verwertbares Vermögen (Insolvenzmasse) gibt.

Ist das der Fall, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. In der Zeit zwischen der Anmeldung und der Verfahrenseröffnung haben die Gläubiger die Gelegenheit, ihre Forderungen anzumelden. Diese werden vom Gericht geprüft und ins Gläubigerverzeichnis eingetragen.

Der Insolvenzverwalter übernimmt die Firmenleitung und erhält die Verfügungsgewalt über das pfändbare Vermögen und entscheidet nach Sachlage, ob er die Firma auflöst (Liquidation) und in Teilen verkauft oder ob er sie unter eigener Leitung fortführt und saniert.

Entscheidet sich der Insolvenzverwalter für die Liquidation der Unternehmung, werden die angemeldeten Forderungen der Gläubiger bearbeitet, juristische Streitigkeiten wegen angeblich vorhandener Forderungen beigelegt und alle Haftungsansprüche gegen die Firma, ihre Gesellschafter und Sie als Geschäftsführer geprüft und bearbeitet. Bei dieser Liquidation (Geschäftsauflösung) kündigt er alle Verträge, verkauft das Firmenvermögen und verteilt den Verkaufserlös / die Insolvenzmasse an die Gläubiger, entsprechend dem Gläubigerverzeichnis.

Das Insolvenzverfahren ist abgeschlossen, wenn die Firma im Handelsregister gelöscht ist.

Möchte der Insolvenzverwalter die insolvente Firma verkaufen, muss er einen finanzkräftigen Investor finden, der sie saniert oder die Vermögensteile kauft. Voraussetzung ist eine gute Vorbereitung der Regelinsolvenz. Dazu zählt die rechtzeitige Veröffentlichung der Handelsbilanz, die Vermeidung von nicht erlaubten Zahlungen bei sich abzeichnenden Zahlungsproblemen und eine tägliche Aktualisierung der Kassenbücher.

Wird die Firma insolvent, sind Sie als Inhaber trotzdem verpflichtet, die Sozialversicherungsbeiträge weiterzuzahlen.

Vorlagen-Paket für den Unternehmensverkauf

Vorschaubild von Vorlagen zum Unternehmensverkauf

7 Verkaufsvorlagen:

  1. Due Diligence Checkliste (PDF)
  2. Finance Report (Excel)
  3. Firmen-Exposé (Word)
  4. NDA-Vertrag (Word)
  5. Firmen-Inserat (Word)
  6. Letter of Intent (Word)
  7. Vorgehensplan (PDF)


Was ist Insolvenzverschleppung?

Insolvenzverschleppung liegt vor, wenn der GmbH-Geschäftsführer den Insolvenzantrag später als gesetzlich vorgeschrieben stellt. Wann genau bei einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung die Insolvenzreife eintritt, hängt von der finanziellen Situation des Unternehmens ab. Wenn Sie, Ihre insolvente Firma verkaufen möchten, gilt es dies unbedingt zu vermeiden.

Für den Geschäftsführer kann es jedoch schwierig sein, diesen Zeitpunkt festzustellen: Prüft er die Liquidität der GmbH, muss er auch Verbindlichkeiten einbeziehen, die innerhalb der folgenden drei Wochen bis zur eventuellen Antragstellung fällig werden. Daher kann die Zahlungsunfähigkeit auch früher eintreten.

Eine Insolvenzverschleppung ist mit zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen (Schadenersatzforderungen, Geldstrafen, Haftstrafen bis zu drei Jahren) verbunden. Als Geschäftsführer haften Sie gegenüber der GmbH und ihren Gläubigern vollumfänglich mit Ihrem Privatvermögen.

Den Schadenersatzansprüchen der Gläubiger gegenüber Ihnen, könnten Sie nur durch eine Fortbestehungsprognose entgehen. Dazu müssen Sie die finanzielle Situation der GmbH detailliert bewerten.

Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie schon bei einer drohenden Zahlungskrise einen genauen Liquiditätsplan und Überschuldungsstatus aufstellen und ihn laufend aktualisieren.

 

Wichtig: Als Geschäftsführer haben Sie dafür zu sorgen, dass der Zweck des Insolvenzverfahrens, die Befriedigung der Gläubiger, erfüllt wird.

 

Schützen Sie die Haftungsmasse nicht entsprechend, indem Sie beispielsweise innerhalb der Dreiwochenfrist einen Haftungsfonds einrichten, sind Sie in voller Höhe schadenersatzpflichtig.

Darüber hinaus kann man Sie wegen Vereitelung der Zwangsvollstreckung und Bankrotts strafrechtlich belangen. Im Einzelfall haften auch die GmbH-Gesellschafter, wenn sie beispielsweise Kapitalerhaltungsnormen verletzen. Und natürlich Sie als Geschäftsführer, wenn Sie Zahlungen an die Gesellschafter leisten, die eine Zahlungsunfähigkeit auslösen.

Während des Insolvenzverfahrens ändern sich Ihre Pflichten als Geschäftsführer. Geht es um das außerhalb der Insolvenzmasse bestehende Vermögen, behalten Sie Ihre bisherigen Befugnisse. In Bezug auf die Insolvenzmasse dürfen Sie aber nur tätig werden, wenn Ihnen der Insolvenzverwalter die entsprechende Weisung gibt.

 

Insolvente Firma: Verkauf der Insolvenzmasse

 

Zur Insolvenzmasse gehören sämtliche unbeweglichen und beweglichen Vermögensteile des zahlungsunfähigen Unternehmens und Vermögenswerte, die es im Laufe des Insolvenzverfahrens erhält. Dazu zählen insbesondere:

– Grundstücke
– Immobilien
– Rechte, Patente
– Firmenfahrzeuge
– Barvermögen
– offene Forderungen
– Maschinen
– Software, Hardware

Um eine zur Insolvenzmasse gehörende Immobilie verkaufen zu dürfen, müssen Sie vom Insolvenzverwalter eine Freigabe erhalten. Diese Entscheidung erfolgt nach seinem eigenen Ermessen und erst dann, wenn Sie eine gut nachvollziehbare Erklärung für den Wunsch nach Freigabe haben. Ansonsten wird die Insolvenzmasse beispielsweise über eine Versteigerung oder Online-Auktion verkauft und der erzielte Erlös anschließend der Insolvenzmasse zugeschlagen.