Episode #016: Lexikon – Der Unternehmenswert

Christian Rommel
21. März 2017
Unternehmensbewertung - Unternehmer Radio
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Die große aller Fragen, die sich ein Unternehmer bei der Unternehmensnachfolge stellt, lautet: Wie hoch ist der Unternehmenswert meiner Firma? Wie uns Dr. Marc Evers vom DIHK in Episode #004 bestätigte ist der Kaufpreis nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt aller Verhandlungen. Der Nachfolger möchte natürlich einen geringen Kaufpreis zahlen. Während der Alt-Inhaber dazu neigt, den Wert des Unternehmens zu überschätzen. Letzteres liegt verständlicherweise daran, dass der Alt-Inhaber über viele Jahre hinweg das Unternehmen aufgebaut hat. Aber auch der Nachfolger sollte keinen überhöhten Preis zahlen, um sicher zu gehen, dass die Erwirtschaftung durch das gekaufte Unternehmen auch ausreicht, um den verhandelten Kaufpreis im vereinbarten Zahlungsrhythmus an den Alt-Inhaber zurückführen zu können. Doch wie findet man einen fairen Kaufpreis, mit dem alle Parteien zufrieden sind? Diese und weitere spannende Fragen, die wir in dieser Lexikon Episode beantworten möchten, lauten:

Was versteht man unter dem Gebrauchswert?

Am besten kann man sich das am Beispiel eines gebrauchten, alten Autos klarmachen. Der Gebrauchswert eines Autos liegt für viele darin, dass es sie von A nach B bringt. Ein anderer Wert kann sein, dass das Auto sie an besondere Erlebnisse oder an den Opa erinnert, von dem man das Auto geerbt hat. Der Gebrauchswert lässt sich daher auch nur schlecht in Geld ausdrücken, das trifft eher auf die anderen beiden Wertansätze zu.

Das wäre dann der Ertragswert?

Richtig. Würde man mit dem Auto z.B. Pizza ausliefern, würde das Auto ja zum Geldverdienen eingesetzt werden. Dementsprechend ergibt sich der Unternehmenswert beim Ertragswertverfahren aus den Erlösen, die ich mit dem Auto erziele.

Was versteht man unter dem Verkaufswert?

Der Verkaufswert ist dann der Wert, den man beim Verkauf des Autos erhalten kann, also so etwas wie der Marktwert. Alle drei Werte existieren gleichzeitig nebeneinander, und im Prinzip kann man diese drei Wertkonzepte für alles anwenden, also auch für Unternehmen.

Welcher dieser drei Werte ist denn bei einer Unternehmensnachfolge wichtig?

Welcher Wert wichtig ist, hängt auch im Rahmen der Nachfolge davon ab, weshalb ich er ermittelt wird und aus welcher Perspektive.

Wie unterscheiden sich die Perspektiven des Übergebers und des Nachfolgers in Bezug auf den Unternehmenswert?

Der Wert hängt wie schon gesagt vom Nutzen des Bewerters ab. Bei der Nachfolge gibt es also die Perspektive des Übergebers und des Übernehmers, also bei der Nachfolge durch Dritte den Verkäufer und den Käufer.

Wie ermittelt man im Rahmen der Unternehmensbewertung den Substanzwert?

Der Übergeber bzw. Verkäufer ermittelt einen Unterenhmenswert, um zu wissen, unter welchem Preis er nicht verkaufen sollte, weil er sonst Geld verschenkt. Da sich an diesem Wert seine Verkaufsentscheidung orientiert, sagt man dazu Entscheidungswert. Der Übernehmer bzw. Käufer hingegen ermittelt den Wert, um zu wissen, was sein maximaler Kaufpreis sein darf; dies ist sein Entscheidungswert. Beiden Seiten ist gleich, dass sie sich überlegen, was sie sonst machen könnten – was würde der Übergeber mit der Firma tun, wenn er nicht verkauft? – was würde der Übernehmer mit seinem Geld und seiner Zeit tun, wenn er nicht kauft? Daraus ergeben sich i.d.R. recht unterschiedliche Bewertungen.

Gibt es mehrere Verfahren für die  Unternehmensbewertung?

Ganz genau, da es ja auch verschiedene Wertansätze gibt, gibt es zwangsläufig auch unterschiedliche Bewertungsverfahren. Sie lassen sich in drei große Gruppen unterscheiden:
  • Substanzwertverfahren
  • Erfolgswertverfahren
  • Marktwertverfahren

Wie kann man den Substanzwert ermitteln?

Die Substanzwertverfahren gehen davon aus, dass sich der Wert einer Firma aus der Summe der Werte aller einzelnen Sachen – Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge, Vorräte etc. – zusammensetzt. Aus der Perspektive des Übergebers wird der Substanzwert i.d.R. mit der Annahme des Einzelverkaufs aller Sachen ermittelt (Liquidationswert), während der Übernehmer sich eher überlegt, was er ausgeben müsste, um alles einzeln anzuschaffen (Reproduktionswert).

Wie wird dann der Erfolgswert berechnet?

Die Verfahren, die heute als diejenigen angesehen werden, die den Unternehmenswert am zutreffendsten abbilden, sind die Gesamtbewertungsverfahren, die sich am Erfolg der Unternehmung als Ganzes orientieren. Vereinfachte Verfahren beziehen sich dabei auf den Erfolg der letzten Jahre, bessere Verfahren legen eine Planung bzw. Prognose der zukünftigen Geschäftsentwicklung zugrunde. Hier zu nennen sind die verschiedenen Formen des Ertragswertverfahrens sowie die Discounted Cash Flow Verfahren. Wenn man sich klar macht, dass ein Übernehmer letztendlich die zukünftigen Gewinne einer Firma kauft, wird deutlich, dass die mit diesen Verfahren ermittelten Werte eine sehr wichtige Entscheidungsgrundlage darstellen.

Wie kann man den Marktwert ermitteln?

Die Bewertung mit sog. Multiplikatoren oder englisch multiples sollte immer nur ergänzend zu den anderen Verfahren zur Überprüfung der Plausibilität der Annahmen durchgeführt werden. Multiples ergeben sich meist aus kürzlich durchgeführten Käufen und zeigen deshalb, zu welchen Preisen aktuell am Markt ähnliche Unternehmen verkauft werden. Typische Multiplikatoren sind z.B. das Vielfache des Gewinns oder des Umsatzes. Diese Episode gibt einen ersten Überblick zum Thema Unternehmensbewertung.
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