Die Firmenübernahme im Mittelstand gehört zu den komplexesten Prozessen in der Betriebswirtschaft. Prof Dr. Kai Lucks hat sich mit dem Bundesverband für Mergers and Akquisition deswegen den Wissenstransfer vom Konzern zum Mittelstand zur Aufgabe gemacht.

Was Sie in diesem Interview erfahren werden:

  • Der Unterschied zwischen den Begriffen M&A und Unternehmensnachfolge
  • Was getan werden muss, um das Unternehmen in einen Verkaufsfähigen Zustand zu bekommen
  • Wovon der Erfolg einer Firmenübernahme abhängig ist
  • Wie der Mittelstand Zugang zum Wissen der Konzerne bekommen kann
  • Die häufigsten Fehler bei der Firmenübernahme
  • In welchen Schritten Sie die Informationen zum Verkaufsvorhaben veröffentlichen sollten
  • Warum auch ein internationaler Investor interessant sein könnte

Wodurch Unterscheiden sich die Begriffe M&A und Unternehmensnachfolge?

Die Unternehmensnachfolge umfasst hauptsächlich die Firmenübernahme im Bereich der Familie oder innerhalb der Firma durch Manager oder Meister in Handwerksbetrieben. Bei Merger and Akquisition handelt es sich eher um strategische Zukäufe von Unternehmen oder Fusionen zweier Unternehmen.

Die Überlappung von Unternehmensnachfolge und M&A ergibt sich daraus, dass zunehmend Dritte, also Außenstehende, als Käufer für das Unternehmen gefunden werden müssen. Eine Ursache dafür liegt unter anderem darin, dass die Kinder des Inhabers zunehmend andere Wege als die Unternehmensnachfolge ihrer Eltern anstreben.

Um das Unternehmen für einen Dritten verkaufsfähig zu machen, müssen im Unternehmen entsprechende verkaufsfördernde Maßnahmen getroffen werden. Unter anderem muss auch eine Due Diligence vorgenommen werden.

Was das bedeutet und warum dieser Schritt so wichtig ist, erfahren Sie im nachfolgenden Ebook.

Wovon ist der Erfolg einer Firmenübernahme abhängig?

  • Alle betriebswirtschaftlichen Zahlen müssen aufbereitet werden.
  • Die Betriebsergebnisse sind nach Möglichkeit vor der Transaktion so gut es geht zu verbessern.
  • Das Unternehmen muss vor dem Verkauf erneut wettbewerbsfähig positioniert werden.
  • Die Trennung der Betriebsangelegenheiten von den privaten Angelegenheiten (private Geldentnahmen, ein tragfähiges Gehalt für den Inhaber einrichten, das Gebäude oder sonstiges Vermögen vom privaten abtrennen) ist extrem wichtig.
  • Eine fundierte Ermittlung des Unternehmenswertes ist erforderlich. Diese sollte durch einen Profi durchgeführt werden, damit ein Marktwert ermittelt werden kann an dem der Käufer glauben kann.

Wie der Mittelstand bei der Unternehmensnachfolge von Konzernen lernen kann

Der Bundesverband M&A wurde als Plattform für den Wissenstransfer von Konzernen zum Mittelstand gegründet. Denn es kommt regelmäßig vor, dass Unternehmensteile von Konzernen abgekoppelt werden müssen. Entweder werden diese dann geschlossen oder sie wurden in der Vergangenheit häufig von Japanern aufgekauft. Dabei wäre es doch eigentlich schöner, wenn der deutsche Mittelstand mit den notwendigen Kompetenzen und dem Wissen ausgestattet wird, damit dieser in der Lage ist die abgekoppelten Unternehmensteile von Konzernen zu übernehmen. Genau dafür wurden Arbeitskreise entwickelt, die den Wissenstransfer ermöglichen.

Verschärft die Abspaltung von Konzernteilen nicht den Mangel an potenziellen Unternehmensnachfolgern?

Dieses Problem muss man hier etwas differenzierter betrachten. Denn der Mittelstand ist ein großes Feld zwischen 20 bis 1.000 Mitarbeiter. So gesehen sind es eher die größeren Unternehmen, die die abgespalteten Konzernteile als strategischen Zukauf zu realisieren.

Der Verband kann dann dabei unterstützen die eigene Unternehmensstrategie klar zu formulieren. Denn diese befindet sich meist nur im Kopf des Unternehmers, nicht aber auf einem Strategiepapier. Ein Zukauf sollte nur dann realisiert werden, wenn dies auch zur eigenen Unternehmensstrategie passt.

Die zweite Schwachstelle im Mittelstandsbereich liegt darin, dass im Unternehmen selbst keine Kompetenzen im M&A Bereich vorliegen. Hier setzt der Verband an, um das nötige M&A Wissen zu vermitteln, damit diese strategische Zukäufe von abgespalteten Konzernteilen realisiert werden können.

Der Bundesverband für M&A bietet eine Plattform zum Austausch zwischen Unternehmern

Dabei achtet der Bundesverband für M&A stets darauf einen Themenverband zu bleiben, der sich als Netzwerk unter Gleichgesinnten, also Mittelständlern positioniert. So gibt es bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem jährlichen Corporate M&A Kongress keine Zulassung für externe Berater. Unternehmer können sich anmelden unter: http://www.bm-a.de/de/

In den regelmäßig stattfinden Arbeitskreisen gibt es immer wieder gemischte Teams zum Austausch und lernen, über die sich der Unternehmer ein neues Netzwerk aufbauen kann. Hier gilt es insbesondere Kontakte unter den Unternehmern selbst herzustellen und das Thema M&A besser zu verstehen.

Diese Fehler sollten bei der Firmenübernahme unbedingt vermieden werden

1. Unprofessionelle Berater und Firmenmakler

Die Kontaktaufnahme zu Beratern, die umprofessionell sind. Besser ist es, vertraulich im engeren Kreis nach Empfehlungen zu professionellen Partner zu suchen. Ansonsten kann es dazu kommen, dass ein angelachter Verkauf an die Wettbewerber oder Kunden „durchsickert“, wodurch das Unternehmen nachhaltig geschädigt werden kann. So werden z.B. Schlüssel-Mitarbeiter abgeworben, weil sie zu früh vom noch umkonkreten Verkaufsvorhaben des Inhabers mitbekommen.

Die Gefahr ist deshalb so groß, weil es einen „grauen Markt“ an Firmenmaklern gibt, die die Daten des Unternehmens aufnehmen und die Informationen zum Verkauf ungezielt breit streuen, um einen Käufer anzuwerben. Somit gelangt die Information der Unternehmensnachfolge zu früh und unkontrolliert in den Markt.

Schützen kann man sich dadurch, dass man professionellen Transaktionshäusern für die Unternehmensnachfolge zusammentut. Wer hier Zweifel mit einem potenziellen Partner hat, kann sich an den Bundesverband wenden

2. Nichtspezialisierte Steuerberater und Anwälte konsultieren

Ganz besonders warnt Prof. Dr. Lucks davor den eigenen Steuerberater oder den Hausanwalt für den Prozess der Unternehmensnachfolge einzusetzen. In der Regel sind diese nicht auf diese Disziplin spezialisiert. Damit werden Themen behandelt die oftmals für den Prozess der Unternehmensnachfolge irrelevant sind. Die wichtigen versteckten Themen werden hingegen ausgelassen. Wodurch sogar zum Beispiel nach einer erfolgten Transaktion, durch alte Verträge rückwirkend Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können für die der Unternehmer haften muss. Auf die Unternehmensnachfolge spezialisierte Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Berater können diesen Prozess sehr viel schlanker und sicher durchführen.

3. Frühzeitige Herausgabe von zu vielen Informationen

Die Informationen zum Verkauf und zur eigenen Firma sollten Schritt für Schritt nach Notwendigkeit herausgegeben werden. Für die Informationsherausgabe gibt es einen klaren Prozess:

3.1 Zunächst Allgemeine Daten wie Mitarbeiterzahl, Umsatz, Wettbewerbsposition

3.2 Dann erfolgt die Prüfung des Unternehmens und die Aufbereitung dieser Informationen in Form einer professionellen Due Diligence

3.3 In der nächsten Phase werden die Verträge von einem Spezialisten vorbereitet. Dabei sollte berücksichtigt werden, auf welche Zielgruppe man sich fokussieren möchte: Verkauf an ein deutsches Unternehmen oder kommt auch ein Käufer aus China oder Amerika in Frage. Beide haben sich aus der Erfahrung von Prof. Dr. Lucks in den letzten Jahren als sehr fähige und vertrauenswürdige Investoren entwickelt.

Vor 5-10 Jahren war das Motiv der Chinesen noch schwache deutsche Mittelständler zu kaufen, den Standort in Deutschland zu schließen und nach China zu verlagern. Von dort sollte dann billig produziert werden, um den deutschen Markt zu bedienen. Das ist regelmäßig schief gelaufen. Neue Reglementierungen in China sorgen nun außerdem dafür, dass Transaktionen mit dieser Absicht nicht mehr möglich sein sollen.

Prof. Dr. Lucks rät: Wichtig ist, dass vertraglich geregelt wird, dass der Standort in Deutschland bestehen bleibt. Außerdem sollte geregelt werden, dass die Marke, der Name, das Cash und die Unternehmensstrukturen nach der Transaktion erhalten bleiben. Das Management sollte mit deutschen Mitarbeitern besetzt bleiben. Damit ist ein sicheres Fundament geschaffen, dass der Betrieb mit einem neuen Investor erfolgreich fortbestehen kann. Finanzstarke Investoren ermöglichen dann auch das Expandieren durch neue Standorte in Deutschland oder auch im Ausland.

Die Chance, die sich für den Verkäufer damit ergibt liegt darin, dass er an dem Wachstum des Unternehmens auch nach der Transaktion beteiligt werden kann. Dies kann über entsprechende Verträge ebenfalls geregelt werden.

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