Abonnieren:

#060 Firmenübernahme finanzieren – Ohne Eigenkapital den Kaufpreis stemmen

Letzte Aktualisierung des Artikels am 11. Mai 2021 von Danilo Manca

Firmenübernahme finanzieren ohne Eigenkapital

Interessieren Sie sich für einen Firmenkauf und suchen nach Möglichkeiten, wie Sie die Firmenübernahme finanzieren können?

In diesem Artikel gehen wir auf grundsätzliche Fragestellungen zur Firmenübernahme ein und geben hilfreiche Tipps, wie Sie eine Firmenübernahme ohne Eigenkapital finanzieren. Patrick Strasser ist dies gelungen und berichtet darüber im Interview, siehe unten.

Wer vor der Entscheidung steht, selbst zu gründen oder erfolgreich ein Unternehmen zu kaufen, sollte sich bewusst machen, dass fast 90 Prozent der gegründeten Unternehmen nach 2-5 Jahren wieder schließen. Wohingegen ein Unternehmen, das seit 20 Jahren besteht, seinen Platz am Markt gefunden hat.

Wichtig dabei ist nur, dass es sich beim Kaufobjekt um ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell handelt. Besteht auch zukünftig eine Nachfrage, können viele Bereiche im Unternehmen schrittweise modernisiert werden, um auch für die nächsten 20 Jahre bestehen zu können.

Der Unternehmensverkäufer sollte dies klar zeigen können, um dem Kaufinteressenten mehr Sicherheit für seine und auch die Entscheidung der Bank für eine Finanzierung zu geben.

Welche Vor- und Nachteile bringt eine Firmenübernahme mit sich?

Die wesentlichen Vor- und Nachteile lauten:

Vorteile einer Firmenübernahme Nachteile einer Firmenübernahme
+ Mitarbeiter sind vorhanden – i.d.R. höherer Kapitaleinsatz
+ Kundenstamm ist vorhanden – verdeckte Risiken, die in einer Due Diligence nicht aufgedeckt wurden
+ Infrastruktur ist vorhanden – Einarbeitung und Akzeptanz der Mitarbeiter
+ bestehendes Team zum Wissensaustausch für die Weiterentwicklung des Unternehmens – Veränderungsprozesse im Betrieb sind als neuer Inhaber ggf. schwer umzusetzen

Die Nachteile machen die Firmenübernahme nicht einfach. Sie sind aber durchaus lösbar.

Auch wenn es auf den ersten Blick einfacher erscheint einen bestehenden Betrieb zu übernehmen, darf man den Prozess der Unternehmensnachfolge nicht unterschätzen. Der Übergabeprozess sollte fließend verlaufen, so dass der bestehende Inhaber und der potenzielle Nachfolger einander kennenlernen.

Patrick Strasser, unser Interviewgast, startete als normaler Mitarbeiter, wurde jedoch direkt als potenzieller Nachfolger vorgestellt. Bei den Mitarbeitern stand er dadurch unter besonderer Beobachtung.

Unternehmen für den Kauf prüfen - mit dem Due Diligence Ebook inkl. Checkliste

Due Diligence Ebook Cover pic

Wer ein Unternehmen kaufen möchte, sollte vorher eine Sorgfaltsprüfung durchführen, eine s.g. Due Diligence.

Lernen Sie die 13 Due Diligence Bereiche kennen: Financial-, Tax-, Legal-, Technical-, IT-, Intelecutal Property-, Strategic-, Operational-, Commercial-, HR-, Cultural- und Environmental Due-Diligence

Inkl. einer Checkliste mit 123 Prüfpunkten.


Die Übernahme einer Firma mit wenig Eigenkapital finanzieren: Ein Erfahrungsbericht

Viele Menschen sind überrascht, wie wenig Eigenkapital man für die Finanzierung einer Firmenübernahme einsetzen muss, sofern man über ein paar wichtige Faktoren Bescheid weiß.

Mit uns im Gespräch ist der Steuerberater Patrick Strasser, der selbst die Steuerkanzlei Wekel, Strasser und Kollegen mit 13 Mitarbeitern 2007 gekauft hat. Die Firmenübernahme zu finanzieren war nicht leicht, dennoch wurde ein Weg gefunden. Ab Minute 18 gehen wir genauer auf das Thema Finanzierung einer Firmenübernahme ein. 

 

Patrick Strasser: „Einen gesunden Betrieb bekommt man eigentlich immer finanziert.“

Das Verkäuferdarlehen zählt als Eigenkapitalersatz

Im Normalfall muss der Käufer 10 bis 20 Prozent des Finanzierungsbedarfs durch Eigenkapital absichern. Da junge Absolventen oder Berufseinsteiger meist nicht über ausreichend Eigenkapital verfügen, scheitern Übernahmeversuche oder werden gar nicht erst versucht.

Denn wer direkt denkt, dass er nicht genug Eigenkapital zur Verfügung stehen hat, wird sich erst gar nicht mit dem Thema eine Firmenübernahme zu finanzieren, beschäftigen. Das ist schade, weil es durchaus eine Möglichkeit gibt, das fehlende Eigenkapital durch ein s.g. Verkäuferdarlehen aufzustocken.

Wenn man also selbst nicht die 10 Prozent zur Absicherung des Finanzierungsbedarfs aufbringen kann, der kann dies durch ein Verkäuferdarlehen ausgleichen. Denn für eine Bank (und das ist wichtig zu verstehen), zählt ein Verkäuferdarlehen als Eigenkapital.

Wichtig: Ein Verkäuferdarlehen zählt bei der Bank als Eigenkapital. So lassen sich auch niedrigere Zinsen bei der Bank realisieren, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

 

Balkendiagramm Zinslast Gegenüberstellung um Firmenübernahme finanzieren

 

Was ist ein Verkäuferdarlehen?

Ein Verkäuferdarlehen kommt zu Stande, wenn der Unternehmensverkäufer dem Käufer den Kaufpreis voll oder teilweise stundet. Er gewährt dem Käufer damit ein Darlehen, dass aus den Erträgen der Firma getilgt werden kann.

Dieses Darlehen wird bei der Bank als Eigenkapital gewertet und ermöglicht somit die Finanzierung des Kaufpreises.

 

Welche Vorraussetzungen bedarf es für ein Verkäuferdarlehen?

Die erste Voraussetzung ist jedoch, dass es sich um einen gesunden Betrieb mit gut entwickelnden Betriebskennzahlen handelt, der auch in der Lage ist, den Kaufpreis durch Überschüsse zu tilgen.

Hier sollte dringend geprüft werden, ob ein Investitionsstau im Unternehmen vorliegt. Muss der Betrieb erst modernisiert werden, verringern sich die Überschüsse natürlich, wodurch die Tilgung u.U. gefährdet wäre.

Daher sollten die letzten drei bis fünf Jahresabschlüsse angeschaut werden. Die Umsatz- und Kostenentwicklung lassen sich aus den Bilanzen ablesen und geben Aufschluss darüber, wie sich das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt hat.

Die entscheidende Frage, die sich der Nachfolger dann stellen sollte:

Ist der Gewinn zukünftig groß genug, damit ich die aufgenommenen Kredite bedienen kann und ggf. gleichzeitig genug übrig bleibt, um das Unternehmen weiterzuentwickeln?

Dafür sollte bereits absehbar sein, wie hoch der Kaufpreis und die damit verbundene Finanzierungsbelastung ist.

Wenn diese Frage geklärt ist, ergibt sich auch ein klares Bild, in wie fern Investitionsspielraum vorhanden ist, um Modernisierungsmaßnahmen vorzunehmen. Nur so kann auch das Zukunftspotenzial der Firma gesichert werden.

Innerhalb der Bankfinanzierung kann dann noch ein tilgungsfreier Zeitraum von zwei Jahren vereinbart werden, in dem bereits das Verkäuferdarlehen abbezahlt wird.

 

Die zweite Voraussetzung zur Gewährung eines Verkäuferdarlehens ist natürlich, dass der Kaufinteressent sich als fähiger und vertrauensvoller Unternehmensnachfolger qualifiziert hat.

Denn die Rückzahlung des Verkäuferdarlehens hängt natürlich davon ab, ob der Nachfolger in der Lage ist den Betrieb wirtschaftlich weiterzuführen.

Fördermittel zur Finanzierung der Firmenübernahme

Neben dem Eigenkapital und dem Verkäuferdarlehen kann als zusätzliche Ressource auf Fördermittel zurückgegriffen werden. Diese bieten meistens gute Konditionen und eine tilgungsfreie Anfangsphase von bis zu zwei Jahren. Die tilgungsfreie Anfangsphase kann dann z.B. für die Abzahlung des Verkäuferdarlehens genutzt werden.

Welche Fördermittel gibt es, um eine Firmenübernahme zu realisieren?

Als erste Anlaufstelle würden wir die deutschlandweite Förderdatenbank empfehlen. Hier einfach  einfach mal „Unternehmensnachfolge“ oder „Firmenübernahme“ in die Suche eingeben.

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit über Landesbanken, Bürgschaftsbanken und Förderbanken an Fördermittel zu gelangen. Für letzteres wäre der KfW ERP-Gründerkredit Startgeld zu erwähnen, der für die Existenzgründung aber auch für Firmenübernahmen verwendet werden kann.

Die fließende Übergabe als Stütze zur Finanzierung der Firmenübernahme.

Die fließende Übergabe, für die sich unser Interviewgast und der Alt-Inhaber 1 Jahr Zeit geben wollten, vereinfachte die Finanzierung des Kaufpreises. Denn für die Bank ist es von großer Bedeutung, wenn erkennbar wird, dass der Betrieb auch mit dem neuen Inhaber weiterläuft. Aber auch für den Käufer ist es wichtig, das Risiko durch die neugewonnenen Mitarbeit besser einschätzen zu können.

Nach der Übergabe wurden dann die Rollen getauscht. Der Alt-Inhaber stand noch ein Jahr als Mitarbeiter zur Verfügung, damit auch die Kunden das Gefühl hatten, dass ihre Betreuung lückenlos fortgeführt werden kann.

Die Wochenarbeitsstunden des Alt-Inhabers wurden sukzessive reduziert, damit auch für die Mitarbeiter ein weicher Übergang gewährleistet werden konnte.

Dieser sehr weiche Übergang wurde bewusst gewählt. Dem Käufer war klar, dass er mit der Finanzierung des Kaufpreises eine hohe Verschuldung auf sich nimmt. Daher war seine größte Sorge, dass Kunden oder Mitarbeiter im Prozess der Übergabe verloren gehen.

Das erzielte Ergebnis, die Firmenübernahme finanziert zu haben, bestätigte sein Vorgehen und seine Entscheidung einen bestehenden Betrieb übernommen zu haben.

 

Was der Verkäufer über die Finanzierungsmöglichkeiten wissen sollte

Die vorangegangenen Tipps zur Finanzierung helfen natürlich auch einem Verkäufer, der zwar vielleicht einen fähigen und fachlich kompetenten Nachfolger hat, wo es aber an der Finanzierung hakt.

Darüber hinaus ist es wichtig für den Verkäufer zu wissen, dass Kaufverhandlungen bei der Finanzierung des Kaufpreises häufig ins stocken geraten.

Demnach verlangen 44 Prozent der Unternehmer, laut IHK Nachfolgereport 2017, einen zu hohen Kaufpreis. 

Hinzu kommt, dass viele potenzielle Nachfolger vor dem Kauf zurückschrecken, weil die Finanzierung des Kaufpreises zu hoch erscheint.

Weiß der Verkäufer über die Finanzierungsmöglichkeiten des Nachfolgers Bescheid, erhöhen sich für ihn die Verkaufschancen.

Im ersten Schritt sollte dafür der Wert des Unternehmens zusammen mit dem Steuerberater grob geschätzt werden.

Woran erkennt ein Unternehmensverkäufer, dass der eigene Steuerberater der/die Richtige ist, wenn es um das Thema Unternehmensnachfolge geht?

1. Fragen Sie, was er in Sachen Unternehmensnachfolge für sie tun kann. Zumindest wird er ihnen das Zahlenmaterial der Firma bereitstellen und sie in steuerlichen Themen unterstützen können.
2. Fragen Sie ihren Steuerberater außerdem, ob er über mögliche Fördermittel-Programme zur Unternehmensnachfolge Bescheid weiß. Hier geht es um die mögliche Unterstützung für Ihren Nachfolger, damit dieser Ihnen den Kaufpreis finanzieren kann. Fördermittel sind somit ein zentrales Thema beim Unternehmensverkauf.
3. Welche Erfahrungen haben Sie bisher in Sachen Unternehmensnachfolge gesammelt? Haben Sie da eine Vorgehensempfehlung?
4. Was kann er Ihnen zum Thema Verkäuferdarlehen sagen?

Wenn Sie merken, dass auf diese Fragen keine fundierten Antworten zurück kommen, müssen sie für die Themenlücken einen anderen Berater finden.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass ihr Steuerberater mit diesen Themen überhaupt nicht vertraut ist, empfiehlt es sich unter Umständen einen Steuerberater heranzuziehen, der auf den Prozess des Unternehmensverkaufs spezialisiert ist.

Wer tiefer in das Thema Unternehmensbewertung einsteigen möchte, für den haben wir die Unternehmensbewertung an einem Beispiel erklärt.

Als nächstes könnte in ersten Gesprächen mit der Hausbank geklärt werden, ob sie den Prozess der Nachfolge begleiten würden. In der Regel sind diese daran interessiert, damit die Firma als Kunde erhalten bleibt.

Dann sollte schon mal besprochen werden, ob die Bank bereit wäre so einen Kaufpreis zu finanzieren. Natürlich unter Berücksichtigung, dass der Käufer die notwendigen persönlichen Voraussetzungen mitbringt.

Darüber hinaus weiß die Bank meist auch über bestimmte Fördermittel zur Finanzierung eines Unternehmenskaufs Bescheid. Hier kommen die KfW, die Investitionsbank Berlin Brandenburg und Bürgschaftsbanken in Frage.

Auch interessant:

6 Faktoren, die bei einem Firmenkauf beachtet werden sollten

Hier erfahren Sie alles, was Sie über Firmenbeteiligungen wissen müssen.

 

Unternehmen für den Kauf prüfen - mit dem Due Diligence Ebook inkl. Checkliste

Due Diligence Ebook Cover pic

Wer ein Unternehmen kaufen möchte, sollte vorher eine Sorgfaltsprüfung durchführen, eine s.g. Due Diligence.

Lernen Sie die 13 Due Diligence Bereiche kennen: Financial-, Tax-, Legal-, Technical-, IT-, Intelecutal Property-, Strategic-, Operational-, Commercial-, HR-, Cultural- und Environmental Due-Diligence

Inkl. einer Checkliste mit 123 Prüfpunkten.