Due-Diligence – Bedeutung + Checkliste + Vorgehensweise

Die genaue Durchführung einer Risikoprüfung mit „gebotener Sorgfalt“ des Objekts vor dem Kauf oder Verkauf stellt eine Due Diligence dar.

Für den Firmenkauf oder Firmenverkauf sowie für die Unternehmensnachfolge ist die Due Diligence von höchster Wichtigkeit.

In diesem Artikel erfahren Sie alles Rund um das Thema Due Diligence, die Auswirkung auf die Unternehmensbewertung sowie eine GRATIS Checkliste für Sie zum Download und ein Interview mit Prof. Dr. Holger Wassermann falls Sie lieber hören als lesen.

Damit Sie so schnell wie möglich an die von Ihnen gewünschten Themen gelangen, haben wir für Sie ein Inhaltsverzeichnis mit allen wichtigen Punkten erstellt, so dass Sie sofort zu dem gelangen was Sie wirklich interessiert.

Formen der Due Diligence

Je nachdem, wer die Due Diligence durchführt, kann in eine Buy-Side-Due-Diligence durch den Käufer und in eine Vendor-Due-Diligence durch den Verkäufer unterschieden werden.

Während der Käufer im US-amerikanischen aufgrund fehlender Haftungsregeln für den Verkäufer dazu gezwungen ist, den Kaufgegenstand genau zu prüfen, tut er es nach deutschem Recht in erster Linie aus dem eigenen Interesse heraus, keinen zu hohen Preis für die Firma zu bezahlen. Er will versteckte Risiken und Chancen erkennen und in die Bewertung einfließen lassen.

Der Käufer führt den Prozess hingegen durch, um sich auf die Due Diligence durch den Käufer optimal vorzubereiten. Durch die Prüfung erkennt er noch Lücken oder Schwachstellen vor der echten Prüfung und kann diese noch rechtzeitig schließen oder beheben.

Wie Sie nachstehend erkennen könnten, gibt es Teilbereiche in der Due Diligence. Neben diesen beispielhaft genannten gibt es noch zahlreiche weitere Formen wie HR-Due Diligence etc.

  • Praktisch immer wird eine Financial Due Diligence durchgeführt, bei der die letzten 3-5 Jahresabschlüsse und dazugehörige Unterlagen wie BWAs, Summen- und Saldenlisten und genauere Auswertungen eines ggf. vorhandenen Controllings (Deckungsbeitragsrechnungen, Kostenstellen- und Profit-Center-Berichte usw.) analysiert werden.
  • Eng damit verbunden ist die Tax Due Diligence, bei der durch Sichtung der letzten Steuererklärungen, Steuerbescheide und Berichte über Steuerprüfungen das Risiko von Steuernachzahlungen ermittelt werden soll.
  • Im Rahmen der Legal Due Diligence werden alle rechtlichen Risiken untersucht, das kann natürlich sehr umfangreich sein. Dazu zählt die Auflistung und Kontrolle aller Verträge, von Miet- über Arbeits- bis hin zu Lieferverträgen und AGB.
  • Es gibt noch eine ganze Anzahl weiterer Prüfbereiche, so z.B. die Strategic-, Operational-, Commercial-, HR-, IT-, Intellectual Property- und die Environmental Due Diligence. Schauen Sie gerne in unser E-Book zu dem Thema, in dem wir auch auf die anderen Formen eingehen.

Letztendlich wird Dauer und Umfang eines solchen Prozedere immer zwischen Käufer und Verkäufer abgestimmt und vom Verkäufer dafür ein sogenannter Datenraum zur Verfügung gestellt. Da dies für den Verkäufer immer ein großes Risiko bedeutet, wird der Zugang nur für eine bestimmte Zeit gewährt und auch erst nach der Unterzeichnung eines Letter of Intent (LoI), der das wirkliche Kaufinteresse dokumentiert.

Die Due Diligence ist ein wesentlicher und komplexer Vorgang im Laufe eines Unternehmensverkaufs. Von ihrem Verlauf hängt ab, ob im Anschluss die Verhandlung über den Kauf aufgenommen oder abgebrochen wird. Werden die Verhandlungen aufgenommen, gehen beim Käufer die Erkenntnisse aus der Due Diligence in seine Bewertung der Unternehmung und somit in sein Kalkül ein, welchen Preis er maximal zu zahlen bereit ist.

Interview zu dem Thema Due Diligence mit Prof. Dr. Holger Wassermann

Folgende Punkte werden in dem Interview besprochen:

  • Was ist eine Due Diligence?
  • Wozu dient diese?
  • Welche Unterlagen sind relevant?
  • Nennung wichtiger Due Diligence Arten wie z. B. HR – Due Diligence, Cultural Due – Diligence, IT- Due Diligence etc.
  • Was ist wenn einer der Parteien, Verkäufer oder Käufer nicht bereit ist die Informationen bereitzustellen?

Due Diligence Checkliste

Laden Sie sich das Due Diligence E-Book herunter wo auch eine Due Diligence Checkliste enthalten ist. Diese dient dazu, sich mit den vielen Aspekten der Due Diligence vertraut zu machen. Jetzt die Due Diligence Checkliste GRATIS anfordern.

 

 

Im Minimum sollten Sie auf die folgenden Punkte bei einer Due Diligence Checkliste achten:

  1. Finanzen (Financial oder Tax Due Diligence)
  2. Rechtliches (Legal Due Diligence)
  3. Personal (Personnel Due Diligence)
  4. Kunden (Customer Due Diligence)
  5. Wettbewerb (Commercial Due Diligence)
  6. Technik (Technical Due Diligence)

Due Diligence Checklisten geben hilfreiche Anhaltspunkte, um die nötigen Informationen für den Unternehmenskäufer zu erstellen. Eine solche Checkliste sollte lediglich als Orientierung verstanden werden. Es verschafft den Überblick bzgl. der bereitzustellenden Dokumente, Verträge und Unterlagen. WICHTIG: Jeder Unternehmensverkauf ist individuell. Holen Sie sich auf jeden Fall professionelle Hilfe bei der Vorbereitung, gerade in Bezug auf die Vollständigkeit einer solchen Due Diligence Checkliste bzw. welche Maßnahmen letztendlich für Sie im Rahmen der Due – Diligence wirklich von Nöten sind.  

Finanzen (Financial Due Diligence): Was sagt der Blick in die Bilanzen?

Bei dem Kauf kleinerer Firmen wird häufig fast nichts geprüft, aber den Blick in die alten Jahresabschlüsse oder Einnahme-Überschussrechnungen gibt es praktisch immer – im Fachjargon „Financial Due Diligence“ genannt. Aus den alten Buchhaltungszahlen können Sie erkennen, ob die Firma zumindest in den letzten drei Jahren in der Lage war, mit dem was sie tut, Geld zu verdienen. Achten Sie dabei besonders auf die Entwicklung des Jahresüberschusses und der liquiden Mittel (Kasse und Bank), für beide wäre ein fallender Trend ein Warnsignal.

Berechnen Sie sich auch ggf. den Gewinn noch einmal selbst, indem Sie außerordentliche Erträge abziehen und außerordentliche Aufwendungen wieder hinzurechnen. Diese werden sich wahrscheinlich nicht in Zukunft wiederholen (und Sie kaufen schließlich die zukünftigen (!) Gewinne). Wenn es sich um eine Einzelunternehmung, eine oHG oder KG handelt, ziehen Sie vom Gewinn auch noch einen kalkulatorischen Unternehmerlohn ab. Dieser fehlt in den Personalkosten. Wird die Firma auf dem Privatgrundstück des Inhabers betrieben, müssen Sie bei einer Einzelunternehmung, oHG und KG auch noch eine kalkulatorische Miete abziehen, um ein realistisches Bild zu bekommen.

Rechtliches (Legal Due Diligence): Lauern Risiken in alten Verträgen?

Risiken können aus Gesetzen und Verträgen resultieren. Gesetzliche Risiken könnten zum Beispiel Gewährleistungs- oder Haftungsrisiken sein, die sich aus Geschäften der letzten Zeit ergeben. Hier gilt es daher, die Geschäfte auf derartige Risiken hin zu überprüfen. (auch als Punkte in der Due Diligence Checkliste vorhanden)

Aus Verträgen können Risiken durch eingegangene Verpflichtungen entstehen. Dies betrifft alle Verträge, also beginnend vom Miet- über Versicherungs- und Arbeits- bis hin zu Kaufverträgen.

Erstellen Sie eine Liste aller Verträge und tragen Sie in die Tabelle die wesentlichen Punkte ein (Abschlussdatum, Vertragspartner, Kündigungsfrist, nächster Kündigungszeitpunkt, jährliche Verpflichtung, Hinweise) und nehmen Sie dann eine Bewertung dieser Risiken vor.

Personal (Personnel Due Diligence): Bleiben die guten Leute, wenn Sie kommen?

In Zeiten des Fachkräftemangels wird es klar, dass Ihnen ein großer Kunden- oder sogar Auftragsbestand nichts hilft, wenn Sie ihn nicht abarbeiten können. Dafür brauchen Sie die guten Mitarbeiter der Firma, die Sie gerne nach dem Kauf behalten möchten. Prüfen Sie deshalb die Altersstruktur und die Qualifikationen, und gewinnen Sie einen Eindruck, ob die Mitarbeiter bleiben oder sich eine neue Stelle suchen wollen.

Kunden (Customer Due Diligence): Kommen die Kunden zum Chef oder zur Firma?

Je kleiner die Firma, desto wichtiger ist das Risiko der Inhaberabhängigkeit. Die Bilanzen zeigen Ihnen nur, wie das Geschäft in der Vergangenheit lief, sie garantieren Ihnen aber nicht, dass die Kunden in Zukunft auch zu Ihnen kommen werden, wenn der alte Chef nicht mehr da ist.

Versuchen Sie daher, im Rahmen der Prüfung herauszufinden, welchen Anteil der Chef am operativen Geschäft tatsächlich noch inne hat und schätzen Sie dann ein, ob Sie in diese Fußstapfen treten möchten.

Wettbewerb (Commercial Due Diligence) durch die Due Diligence Checkliste besser verstehen: Kennen Sie die Branche?

Bemühen Sie sich, durch die eine Commercial Due Diligence auch den Wettbewerb in der Branche besser zu verstehen. Wer sind die Hauptkonkurrenten, mit welchen Angeboten treten sie beim Kunden an? Wird eher über die Qualität oder den Preis um Aufträge gekämpft? Gibt es bestimmte Spielregeln, die Sie kennen sollten. Dies geht häufig weniger aus Unterlagen, sondern eher aus Gesprächen mit dem Verkäufer hervor. Stützen Sie deshalb Ihre Beurteilung niemals auf eine reine Unterlagenprüfung. Wie Sie sehen, ist eine Due Diligence eine sehr umfangreiche Angelegenheit. Es geht immer um Risikoeinschätzung, welche Sie beim Kauf einer Firma eingehen und die im Zweifel das Vielfache des Kaufpreises ausmachen können. Folglich ist es ratsam, sich professionelle Hilfe für die Prüfung der Bereiche zu holen, auf denen Sie selbst kein Fachmann sind. 

Technische Due Diligence (Technical Due Diligence): Sind Investitionen ausgeblieben?

Werden Produkte hergestellt, was meist in Industriebetrieben der Fall ist, gehören Produktionsanlagen mit unter zu den wichtigsten Gütern. Wenn der Käufer sicherstellen will, dass die Technik auf dem neusten Stand ist, wird meist eine technische Due Diligence (Technical Due Diligence) durchgeführt.

Hier ist natürlich stark branchenabhängig was einer genauen Prüfung unterzogen wird. Allerdings geht es nicht ausschließlich um den Zustand der Technik, sondern auch ob steigenden Aufträgen von den Produktionsgütern abgedeckt werden können. Wichtig ist natürlich eine regelmäßige Wartung – wurde hier in der Vergangenheit gespart, ist Investitionsstau oft die Folge. Dies mindert oft den Kaufpreis, da der Käufer nun die Investitionen selber tragen muss.

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Due Diligence + Unternehmensbewertung: Wie fließen die Ergebnisse der Due Diligence eigentlich in die Unternehmensbewertung ein?

Bringt man beide Themen zusammen, so bietet es sich an, die Auswirkungen nach den Bewertungsansätzen zu unterscheiden:

  1. Due Diligence und Substanzwert
  2. Due Diligence und Zukunftserfolgswert
  3. Due Diligence und Marktwert

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Substanzwert

Wie Sie wissen, ermitteln Verkäufer den Substanzwert als Liquidationswert und die Käufer ihn als Reproduktionswert. Vereinfacht lässt sich die Formel wie folgt, darstellen:

Due Diligence Unternehmensbewertung

Das heißt, dass sich der Wert aus drei wesentlichen Komponenten zusammensetzt, und auf alle kann die Due Diligence Einfluss nehmen:

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Anlagevermögen

Hier geht es zunächst darum, festzustellen, welches Anlagevermögen tatsächlich vorhanden ist, und in welchem Zustand es sich befindet. Für das Sachanlagevermögen ist hier besonders die Technical Due Diligence von großer Bedeutung, bei der Financial Due Diligence geht es vor allen Dingen um den Abnutzungsgrad und die Abschätzung der notwendigen Ersatzinvestitionen. Sind Immobilien vorhanden, sind nicht nur der Marktwert, sondern auch ggf. damit verbundene gegenwärtige oder zukünftige Belastungen zu ermitteln. (Bsp. Schadstoffbelastung im Boden) Denn hier können auch deutlich negative (!) Werte entstehen.

Besonders wichtig und zugleich nicht minder schwierig ist der Bereich des immateriellen Anlagevermögens, da hier häufig nur wenig bilanziert ist. Die meisten immateriellen Vermögenswerte müssen daher überhaupt erst identifiziert werden (z.B. Marke, Kundenstamm, Verträge etc.), ehe man sie adäquat bewerten kann. Dementsprechend kommen sowohl der Intellectual Property (IP; dt. „geistiges Eigentum), der Commercial und der Legal Due Diligence eine größere Bedeutung zu.

Das Finanzanlagevermögen kann in Beteiligungen, Ausleihungen und Wertpapieren bestehen. Bei Wertpapieren sollte der aktuelle Kurs ermittelt werden, bei Beteiligungen und Ausleihungen stellt die Beurteilung der Werthaltigkeit den zentralen Punkt der Prüfung dar. Die Themen fallen vor allem in den Bereich der Financial Due Diligence.

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Umlaufvermögen

Im Umlaufvermögen stellen ggf. die Vorräte einen erheblichen Wert dar, der im Rahmen der Financial Due Diligence auf Existenz und Werthaltigkeit überprüft werden muss. Auch sollte überprüft werden, ob und wie Inventuren in der Vergangenheit durchgeführt worden sind.

Forderungen sind wie die Ausleihungen im Rahmen der Financial Due Diligence auf Existenz und Werthaltigkeit zu prüfen, dies kann u.U. mit sog. Saldenbestätigungen durch die Schuldner erfolgen.

Die Finanzkonten werden anhand der Kontoauszüge geprüft. Bei Fremdwährungsbeständen ist der aktuelle Kurs zu berücksichtigen.

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Schulden

Für die Verbindlichkeiten gilt im Prinzip das Gleiche wie für die Forderungen. Hier ist jedoch zusätzlich auf die Vollständigkeit zu achten, also zu überprüfen, ob noch Verbindlichkeiten fehlen, die in der Bewertung berücksichtigt werden sollten.

Von meist größerer Bedeutung ist die Identifikation und Bewertung von Risiken, die als Rückstellung in die Unternehmensbewertung einfließen würden. Hier bringen wiederum Commercial und Legal Due Diligence wichtigen Input.

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Abschlussbemerkung: Substanzwert

Wie Sie sicherlich bemerkt haben, haben auf den Substanzwert besonders die Financial und die Legal Due Diligence großen Einfluss. Das liegt an der Vergangenheitsorientierung dieser Bewertungsmethode: Sie stellt auf den jetzigen Zustand ab, der durch die abgeschlossenen Geschäfte der Vergangenheit entstanden ist. Daher lohnt hier besonders der Blick in die Bilanzen und Verträge.

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Zukunftserfolgswert

Für die Bestimmung des Zukunftserfolgswertes gibt es eine Vielzahl von Verfahren. Auf jeden Fall sollen das Ertragswertverfahren und die Discounted-Cash-Flow-Verfahren genannt sein.

Eine Erklärung des Discounted-Cash-Flow-Verfahrens können sie auch noch einmal in dem nachstehenden Video aus unserer Lexikon-Reihe entnehmen.

Verallgemeinert kann auch gesagt werden:

Due Diligence Unternehmensbewertung

Dabei bezieht sich der erste Termin auf die Detailplanungsphase, also die nächsten 3-5 Jahre, der zweite Termin auf den Restwert und der dritte Termin auf das nicht betriebsnotwendige Vermögen. Um hier nicht zu weit auszuholen, setze ich die einzelnen Komponenten als bekannt voraus. Wenn Sie sich bei dem ein oder anderen Begriff unsicher sind, lesen Sie gerne im Beitrag zum Ertragswertverfahren nach oder hören Sie sich die Lexikonepisode zum FCF-Verfahren an.

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Detailplanungsphase

Hier geht es in der Due Diligence darum, die a) Plausibilität der Planung zu überprüfen, die der Bewertung zugrunde liegt, oder überhaupt erst eine plausible Prognose der zukünftigen Entwicklung zu erzeugen, und b) den Kapitalkostensatz, der für die Diskontierung der zukünftigen Überschüsse verwendet wird, zu überprüfen.

Um hier einen Überblick zu bekommen, wollen wir anhand der Positionen einer typischen Planungsrechnung die Einflüsse der Due Diligence für die Unternehmensbewertung durchgehen.

PositionDue Diligence
Umsatz
  • Commercial DD: Wachstumsraten plausibel? Insbesondere bei Nachfolgen: Inhaberabhängigkeit?
  • Financial DD: Wachstum der letzten Jahre passend?
  • HR DD: Bleibt wichtiges Personal nach Kauf an Board?
  • Strategic DD: Wie wird sich das Geschäftsfeld entwickeln?
BestandsveränderungenFinancial DD: Bestandsveränderungen/Umsatzwachstum passend?
Sonstige Betr. ErträgeFinancial DD: woher kamen sonst. betr. Erträge, kommen sie weiterhin?
Materialaufwand
  • Financial DD: Wie war Materialeinsatzquote bisher? Trend?
  • Operational DD: Bleibt Materialeinsatzquote stabil oder bestehen Änderungseinflüsse?
  • Technical DD: Verursacht der Zustand der technischen Anlagen ggf. höheren Materialeinsatz?
Personalaufwand
  • HR DD: Wann scheiden ältere Mitarbeiter aus? Lassen sie sich durch Neueinstellungen ersetzen?
  • Cultural DD: Sind Effizienzverluste oder Kündigungen wegen Unterschieden in der Unternehmenskultur zu erwarten?
  • Financial DD: Sind die Gehälter angemessen? Müssen Erhöhungen zu Abwehr von Abwerbeversuchen eingeplant werden?
Abschreibungen
  • Financial DD: Passen die Abschreibungen auf die Altanlagen zum Anlagespiegel? Passen die neuen Abschreibungen zu den Investitionen?
  • Technical DD: Passen die Nutzungsdauern zum technischen Zustand?
Sonstige Betr. Aufwand
  • Financial DD: Sind die Planungen nur Fortschreibungen der Vergangenheit oder reflektieren Sie auch zukünftige Änderungen?
  • IT DD: Ergeben sich durch IT-Änderungen Verschiebungen zwischen Kostenarten?
EBIT, Betriebsergebnis(Berechnung überprüfen)
Steuern
  • Tax DD: Wurde der Steuersatz richtig ermittelt?
  • Financial DD: Wurde der Steuersatz auf die richtige Größe (EBIT!) angewandt?
NOPAT(Berechnung überprüfen)
Abschreibungen(korrekt von oben übernommen? Vorzeichen richtig?)
Rückstellungsbildung
  • Legal DD: Wurden alle vertraglichen und gesetzlichen Risiken bewertet und in die Planung einbezogen?
  • Environmental DD: Wurden alle Umweltrisiken bewertet und in die Planung einbezogen?
  • Tax DD: Wurden die Steuerrückstellungen richtig bewertet und geplant?
Brutto Cash Flow(Berechnung überprüfen)
Investitionen
  • Strategic DD: Sind Änderungen am Geschäftsmodell beabsichtigt, und wenn ja, korrekt im Investitionsplan abgebildet?
  • Operational DD: Reflektieren die Investitionen die Auslastungssituation in Bezug auf die Umsatzplanung?
  • Technical DD: Berücksichtigen die Investitionen die ggf. notwendigen Ersatzbeschaffungen?
Änderung des Working Capital
  • Financial DD: Passen die Änderungen in Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten zum Umsatzwachstum?
  • Operational DD: Sind Maßnahmen zur Optimierung des Working Capital in der Planung berücksichtigt?
Free Cash Flow(Berechnung überprüfen)

Die Überprüfung des Kapitalkostensatzes kann sich wieder an seinen Komponenten orientieren:

KomponentePrüfung
FremdkapitalzinsFinancial DD: Wie wurde der FK-Zins ermittelt, auf Basis aktueller Kreditzinsen, auf Basis des Ratings oder anderer Quellen?
Tax ShieldTax DD: Wurde der Steuersatz richtig ermittelt?
Risikoloser ZinssatzFinancial DD: Wie wurde der risikolose Zinssatz ermittelt? Wird der Planungshorizont berücksichtigt?
RisikoprämieFinancial DD: Wie wurde die Risikoprämie ermittelt? Wurde das CAPM verwendet? Wenn keine Börsennotierung vorliegt, wie wurde die Peer Group bestimmt? Wurde der Betafaktor relevered?
KapitalstrukturFinancial DD: Wie wurden die Anteile für Eigen- und Fremdkapitalverzinsung bestimmt?

Restwert

Für den Restwert gibt es verschiedene Ansätze der Ermittlung, so kann z.B. entweder auf den NOPAT der letzten Detailplanungsphase zurückgegriffen werden oder eine separate Phase (der sog. “Eingeschwungene Zustand”) geplant werden. Grundsätzlich sind dabei für den Zähler die gleichen Fragen wie in der Detailplanungsphase zu stellen, allerdings mit wesentlich stärkerem Gewicht auf der langfristigen Wirkung. Die Strategic Due Diligence wirkt sich daher ganz besonders stark in dieser Phase aus, da sie den Wachstumsfaktor maßgeblich beeinflusst.

Nicht betriebsnotwendiges Vermögen

Das nicht betriebsnotwendige Vermögen (speziell nicht betrieblich genutzte Immobilien und Finanzanlagevermögen) ist die einzige Berechnungskomponente, die sich nicht auf die Zukunft, sondern auf den Zeitpunkt der Bewertung bezieht. Für sie trifft daher das zu, was wir bereits zur Prüfung des Substanzwerts gesagt haben.

Fazit zu den Auswirkungen auf den Zukunftserfolgswert

Die Erkenntnisse aus allen Formen der Due Diligence können die Bewertung anhand der zukünftigen Überschüsse in ganz erheblichem Maß beeinflussen. Es gibt vier Stellschrauben, über die der Wert besonders stark in die eine oder die andere Richtung bewegt werden kann, deshalb sollte hier die Prüfung entsprechend genau erfolgen:

  • Restwert
    • Nachhaltiger Überschuss
    • Wachstumsfaktor
  • Kapitalkostensatz
    • Risikoprämie
    • Kapitalstruktur

Due Diligence und die Unternehmensbewertung: Marktwert

Bei den Multiplikatorverfahren wird eine Bezugsgröße, die für das zu bewertende Unternehmen bekannt ist, mit den Vielfachen anderer Unternehmen multipliziert. Prinzipiell stellt sich die Bewertung also wie folgt dar:

Due Diligence Unternehmensbewertung

Als Bezugsgröße werden meistens EBIT und Umsatz herangezogen. Aus der Due Diligence für die Unternehmensbewertung sollten daher die wenigen Größen dieser Berechnung genau unter die Lupe genommen werden:

  • Bezugsgröße:
    • Wurde die Größe für das zu bewertende Unternehmen in der Weise ermittelt, dass außerordentliche Effekte herausgerechnet worden sind?
    • Kann mit der Größe auch in Zukunft gerechnet werden? (wieder: Inhaberabhängigkeit, Strategie)
  • Multiplikator:
    • Aus welcher Quelle stammen die Multiples? Sind sie aktuell und verlässlich?
    • Passt die Peer Group, aus der die Multiples gewonnen wurden, zu dem Chancen-/Risikoprofil der zu bewertenden Unternehmung?
    • Bei Verwendung eines Umsatzmultiplikators: Entspricht die Umsatzrendite der Unternehmung den Umsatzrenditen der Unternehmen der Peer Group?

Ich glaube, ich brauche nicht extra zu betonen, dass diese Aufzählung nicht vollständig und abschließend sein kann, denn sie muss für jede Unternehmensbewertung individuell vorgenommen werden. Das Wichtigste ist wohl, dass Sie die Due Diligence für die Unternehmensbewertung als Instrument verstehen, das Ihnen dabei hilft, mehr über die Firma zu erfahren, die Sie bewerten. Jedes Informationsstückchen fügt sich in Ihre Unternehmensbewertung ein, manchmal ganz offensichtlich an mehreren Stellen, manchmal auch nur als Gesamteindruck bei der Einschätzung der Plausibilität.