Episode #049: Staatliche Förderung der Unternehmensnachfolge nutzen – so geht´s

Kai Schimmelfeder

Staatliche Förderung der Unternehmensnachfolge? So etwas gibt es? Ja! Kai Schimmelfeder ist seit 20 Jahren auf Fördermittel und Unternehmensfinanzierung spezialisiert. Er hat in dieser Zeit ca. drei Milliarden Euro bewegt und kennt sich bestens aus im Fördermittel-Dschungel.

Staatliche Förderung der Unternehmensnachfolge für eine Wertsteigerung nutzen

Die Fördermittel lassen sich besonders gut für wertsteigernde Maßnahmen für die Unternehmensnachfolge bzw. -verkauf einsetzen. Dadurch kann dann ein höherer Kaufpreis legitimieret werden.

Und auch für den Käufer lässt sich ein Unternehmen, dass kürzlich wertsteigernde Maßnahmen ergriffen hat, leichter finanzieren. Klingt widersprüchlich? In diesem Interview erfahren Sie wie das geht.

In diesem Interview zur Förderung der Unternehmensnachfolge erfahren Sie:

  • warum Verkäufer einen Berater für den Verkauf einschalten sollten
  • warum Beratungskosten vom Staat grundsätzlich bezuschusst werden
  • wo Sie Fördermittel beantragen können
  • welche Schritte Sie gehen müssen, um Zuschüsse zu erhalten
  • wie Sie durch Fördermittel eine Wertsteigerung des Unternehmens erzielen können
  • wie Sie die Finanzierung des Kaufpreises für den Käufer erleichtern können

Kai Schimmelfeder ist selbst Unternehmensverkäufer und Unternehmensnachfolger und hat mit seinem Beratungsunternehmen Feder Consulting bereits über 400 Unternehmenskäufe begleitet.

Es gibt über 40 Töpfe zur Förderung der Unternehmensnachfolge. Diese können sowohl für familieninterne Nachfolge als auch für externe Unternehmenskäufe beansprucht werden.

Tipp: Kleine Unternehmen bis 100.000 Euro Kaufpreis können mit dem KfW Startgeld Kredit finanziert werden.

Vorteile: Es ist kein Eigenkapitalanteil notwendig und es bietet einen leichten Zugang zum Kredit durch eine 80% Haftungsfreistellung der Bank.

Förderung der Unternehmensnachfolge für die Kaufpreisverhandlung nutzen

Unternehmensnachfolgen scheitern in den meisten Fällen im letzten Moment, wenn es um die Kaufpreisverhandlung geht. Der Unternehmer neigt dazu, dem Unternehmen einen emotionalen Wert beizumessen, während der Käufer eher rational bewertet.

Daher lohnt es sich einen objektiven Berater hinzuzuziehen, der das Unternehmen auf die Nachfolge vorbereitet. Der Prozess einer intensiven Vorbereitung wird oft unterschätzt. Außerdem ist der Berater in der Lage eine objektive Bewertung vorzunehmen.

Der der Verkauf eine hochemotionale Angelegenheit für den Verkäufer ist, kann der Berater bei der Kaufpreisverhandlung eine emotional neutrale Position einnehmen.

Förderung der Unternehmensnachfolge bis zu 70% möglich

Die Bundesregierung hat einen Fördermitteltopf eingerichtet, der die Kosten für die Nachfolgeberatung bis 70% bezuschusst. In Summe können das zwischen 7-9.000 Euro sein. Von diesem Betrag muss der Unternehmer dann ca. 1-2.000 Euro selber tragen.

Auch Kai Schimmelfeder zieht bei Unternehmenskäufen einen externen Kaufberater hinzu. Denn dieser kann eine Verhandlung emotional neutral führen. „Emotionen verraten zu viel am Verhandlungstisch“, so sagt er. Wenn ein Berater hinzugezogen wird, erkennt der Käufer nicht wie interessiert der Unternehmer am Kaufangebot ist.

Grundsätzlich geben die Förderprogramme nicht vor wie ein Unternehmen zu prüfen oder zu bewerten ist. Festgelegt ist jedoch, welche Unterlagen beim Unternehmenskauf bereitzustellen sind. Auch hier kann ein Berater helfen, die erforderlichen Unterlagen ordentlich zusammenzustellen. So erhöhen sich die Chancen einer Antragsgenehmigung.

Förderung der Unternehmensnachfolge nur mit zertifizierten Berater möglich

Fördermittel können nur beansprucht werden, wenn die Durchführung der Unternehmensnachfolge durch einen zertifizierten Berater erfolgt.

Für jedes Bundesland gibt es entsprechende Datenbanken zu Förderprogrammen und den entsprechend qualifizierten Beratern. Typische Plattformen, die dafür genutzt werden können, heißen:  http://www.bafa.de/ und Förderung unternehmerisches Know Hows.

In den über 400 begleiteten Transaktionen, sieht Kai Schimmelfeder immer wieder die gleichen Problemfelder. Das größte Problem stellt eine valide Kaufpreisfindung. Das zweitgrößte Problem sieht er darin, dass Verkäufer noch keine konkreten Pläne und Ziele für die Zeit nach dem Verkauf haben.

Statistiken zeigen, das die Investitionsbereitschaft bei Unternehmern mit zunehmenden Alter abnimmt. In neun von zehn Fällen kommt es vor dem Unternehmensverkauf zu einem Investitionsstau. Insbesondere das Thema Digitalisierung wird zu spät oder gar nicht mehr vor dem Verkauf angegangen. Dafür gibt es jedoch seit letztem Jahr ein Fördermittel Programm, durch das die digitale Weiterentwicklung der eigenen Produkte gefördert werden kann.

Darüber hinaus können in Deutschland Kreditgarantien für Digitalisierungsinvestitionen vergeben werden, wenn der Unternehmer ggf. den gesamten Akquise-Prozess von der Anfrage bis zum Auftrag oder Umsetzung digitalisieren möchte.

Dadurch können Effizienzsteigerungen generiert werden, die letzten Endes zu einer Wertsteigerung des eigenen Unternehmens führen. Für den Investitionsbedarf dieser Digitalisierungsmaßnahme können Kredite bei allen Banken in Deutschland beantragt werden, die von der EU bis zu 70% abgesichert werden.

Auch für die Ausarbeitung von digitalen Marketingstrategien und Tagesworkshops gibt es spezielle Zuschussprogramme, die für die Kundengewinnung im Internet genutzt werden können. Mit diesen Fördermitteln sollen insbesondere auch Mitarbeiter weitergebildet werden, um das Thema Online Marketing besser zu verstehen.

Tipp: Kai Schimmelfeder empfiehlt alle erforderlichen Unterlagen 3-5 Jahre vor dem Verkauf vorzubereiten. Insbesondere dann, wenn wertsteigernd verkauft werden soll. Denn 3-5 Jahre vorher kann die Bilanz maßgeblich im Sinne eines Verkaufs vom Unternehmer beeinflusst werden. Denn wenn es normalerweise unternehmerisch sinnvoll erscheint die Gewinne gering zu halten, so kann in den letzten Jahren vor dem Verkauf darauf geachtet werden, die Erträge zu steigern und die Kosten zu reduzieren, um einen höheren Zukunftswert des Unternehmens und somit einen höheren Kaufpreis zu erzielen.

Wer sich also 3-5  Jahre vor dem Verkauf beginnt das eigene Unternehmen nochmal zu optimieren, wird feststellen, dass oft Potenziale aufgedeckt werden, die allesamt nicht mehr vor dem Verkauf umgesetzt werden können. Allerdings können durch einige Stellschrauben buchhalterische Gewinne abgebildet werden, die den Unternehmenswert steigern. Gleichzeitig bleibt noch Optimierungspotenzial für den Käufer übrig, um zum das Finanzierungsrisiko bei der Bank zu reduzieren und die eigene Investition schneller refinanzieren zu können.

Tipp für Käufer: Lassen Sie sich von Ihrer regionalen Bürgschaftsbank eine erste Beratung zum Kauf des Unternehmens geben. Machen Sie diese Beratung nicht direkt mit der Bank, die später auch den Kaufpreis finanzieren soll, um erstes Konfliktpotenzial zu vermeiden.

Tipp für Verkäufer: Fragen Sie den Käufer frühzeitig, ob er sich Gedanken über die Kaufpreisfinanzierung gemacht hat. Wenn hier noch keine Gespräche geführt und Strategien erarbeitet wurden, verliert der Unternehmer unter Umständen viel Zeit, ohne zu wissen, ob eine Finanzierung für den Käufer überhaupt möglich ist.

Wenn Sie selbst Interesse an Fördermittelmöglichkeiten haben, nutzen Sie das kostenlose Tool von Kai Schimmelfeder auf foerdermittelanalyse.info.